Dümmliche Vorher-Nachher-Vergleiche

Von Thomas Bez am 21.10.2017 im Weblog Tedesca <http://www.tedesca.net>

FAZ.NET: Durch die Zeit <http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/der-osten-damals-und-heute-durch-die-zeit-15252051.html>

Die Berliner Mauer war gerade gefallen, da zog Matthias Lüdecke mit einer alten Kamera durch den Osten Deutschlands. Nun war der Fotograf wieder dort – mit dem Handy.

Vorher die vermüllte Wohnung des Messies, dann kommt die Supernanny und räumt auf, das Publikum strahlt vor Glück, der Messie bedankt sich artig und ist immer noch ein Messie. Diese Vergleiche bewegen sich auf RTL-Niveau und die daraus gezogenen Schlußfolgerungen meistenteils auch. Wir sehen verrottete Ecken im Prenzlberg nach 25 Jahren in genauso seelenlose neuverputzte gewandelt, ergänzt um die nun gesamtdeutsche Poller-Standardausstattung. Das HO-Zentralhotel im Provinznest ist einer Pflaster-Schotter-Brache gewichen, genau so wohnlich. Der Subtext dazu lautet immer: Die im Osten könnten sich ruhig etwas dankbarer zeigen dafür, daß wir sie vom Sozialismus befreit haben und daß sie jetzt elektrisch Licht haben.

Der Messie aus dem Osten hat die AFD auf 5% gebracht, der Wessie hat die fehlenden 8% ergänzt. Die Unterstützung für den heutigen Fast-all-Parteien-Sozialismus mit Globalisierungshintergrund ist kaum größer als jene damals für den zusammenbrechenden staatsmonopolistischen Sozialismus. Vielleicht könnte eine Vorher-Nachher-Serie aus dem Westen verdeutlichen, was sich dort nicht verändert hat. Aber gelebtes Leben käme auch dortdrin nicht vor.