Alle Welt redet nur noch von Apple

Von Thomas Bez am 30.01.2010 im Weblog Tedesca <http://www.tedesca.net>

Die Universalrechner aus dem Hause Apple zeichnen sich durch hervorragende Hardware und ein benutzerfreundliches Betriebssystem aus. Das iPhone verärgert, weil es seinen Besitzer dem Geschäftsmodell von Apple unterwirft. Gleiches wird für das iPad gelten. Die Chancen des iPad liegen darin, bezahlte Inhalte wieder für einen größeren Nutzerkreis des Internet attraktiv zu machen.

Vor drei Tagen hat Apple seine neueste Kreation vorgestellt, und unsere Befürchtungen in Hinblick auf dieses Gerät scheinen sich zu bestätigen. Doch beginnen wir mit dem Positiven.

Was wir an Apple schätzen


Ende 2008 sind wir auf Apple umgestiegen, nachdem wir seit Mitte der 1990er beginnend mit Windows 3.11 die gesamte Microsoft-Historie auf firmengegebenen portablen Siemens- und Fujitsu-Siemens-Computern hinter uns gebracht haben. Zuvor in der Unix-Welt zuhause, haben wir Windows über lange Zeit als Zumutung empfunden und waren schließlich mit Windows 2000 recht zufrieden. Wir haben uns angewöhnt, eine Windows-Linie erst dann selbst einzusetzen, wenn Microsoft bereits die nächste in den Markt entläßt, stagnieren also noch bei Windows XP und Server 2003.

Microsoft Windows ist nicht der einzige und vielleicht nicht einmal der Hauptgrund, sich für Apple-Produkte zu interessieren. Wer eine Abneigung gegen die Berührung von Plastikgegenständen hegt, sollte ernsthaft über den Kauf des wunderbaren Stücks Hardware eines Macbook nachdenken. Nach einem Jahr Verwendung knarrt oder klappert noch nichts, der aufgeklappte Monitor bleibt in seiner Position und wackelt nicht und die Lüfter sind im Normalbetrieb unhörbar wie am ersten Tag. Es ist bezeichnend, daß für den Benutzer dieser Hardware die reflektierende Oberfläche des Bildschirms zu den größten Ärgernissen zu zählen scheint. Dagegen ist das Trackpad wiederum der beste bislang bekannte Mausersatz.

Was am Betriebssystem Vertrauen erweckt, zumindest unseres, ist der grundsolide Unix-Kern (das von BSD Unix abstammende Darwin). Der Vorteil des Unix-Kerns ist nicht nur das Vorhandensein einer Kommandozeile mit einer echten Shell, die im Bedarfsfall Zugriff auf Systemfunktionen und echte Skripte erlaubt. Mac OS ist der erste massenmarkttaugliche Versuch, ein Unix-Betriebssystem mit einer graphischen Oberfläche zu versehen. Um diese Leichtigkeit kämpft Linux noch immer, Ubuntu mittlerweile an der vordersten Front, aber nach wie vor unbefriedigend.

Die Mac-Legende, nämlich daß sich das Gerät dadurch auszeichnet, daß alles eben einfach funktioniert, ist eine Realität. Wer seine Zeit nicht mit Basteleien vertun will, sondern mit dem Computer einfach arbeiten oder kommunizieren oder sich die Zeit vertreiben will, ist bei diesem Betriebssystem richtig aufgehoben. Da stimmen die Software-Entwicklungsprozesse offenbar schon etwas länger als im Hause Microsoft, das anscheinend erst nach der Vista-Katastrophe geschafft hat, das Steuer herumzureißen. Da das Postulat des Funktionierens aber nicht nur für die Apple-Software gilt, sondern nach unserer Erfahrung auch für die meisten Fremdanwendungen, kann dies nicht nur auf einem kulturellen Faktor beruhen, sondern muß seine Ursachen in der Software-Systemarchitektur haben.

Es geht natürlich nicht ohne Windows, und das soll es ja auch nicht. Aus Kompatibilitätsgründen sollte man unbedingt weiter die Office-Anwendungen von Microsoft auf Windows-Basis benutzen, also in einer virtuellen Maschine.

... und was nicht

Sprechen wir nach so viel lobenden Worten, die man uns hoffentlich nicht als Schwärmerei ankreidet, von der Kehrseite der Apple-Philosophie. Wir wollen sie nicht die häßliche Kehrseite nennen, weil gerade (Januar 2010) auf dem neuesten Produkt die Hoffnungen einer ganzen Branche oder gar mehrerer Branchen ruhen und wir dies sehr ernst nehmen. Es sind die Hoffnungen derer, die von der Vermarktung von Inhalten (Nachrichten, Literatur, Wissen) leben und mittlerweile heftig unter der Kostenlos-Kultur des Internet unserer Jahre leiden, die in einen bedrohlichen Qualitätsverlust umzuschlagen droht. Verlage dürfen hoffen, daß mit der gerade neugestifteten Mode des iPad auch eine neue Akzeptanz bezahlter (wertvoller) Inhalte aufkommt.

So sehr wir also einen kulturellen Umschwung erhoffen, der dringend fällig ist, so unzufrieden sind wir mit der Bevormundung durch das populärste Produkt des vergangenen Jahres: das iPhone. Wir haben es ausprobiert und nach ein paar Tagen wieder verkauft.

Natürlich könnten wir uns an ein zigarettenschachtelgroßes Display gewöhnen, auf dem man mit den Fingern herumtippen und -wischen muß und das darum immer etwas verschmiert ist. Das man immer sperren muß, bevor man das Gerät in eine Hemd- oder Anzugtasche gleiten läßt. Dieser Art der Bedienung gehört die Zukunft und die nächste Generation von Bildschirmen zum Anfassen ist, wie wir sehen, wenigstens schon schreibheftgroß.

Was uns am iPhone nachhaltig verärgert hat, ist, daß es kastriert wurde, um uns zum Teil fremder Geschäftsmodelle zu machen. Ein Telephon, das für die Verwendung als Modem am Laptop gezielt unbrauchbar gemacht wurde, lehnen wir ab. Und man stelle sich vor, Microsoft brächte ein Gerät heraus, das nur von Microsoft zensierte und signierte Applikationen erlaubt! Apple darf das (noch) - aber nicht mit uns. Und Digital Rights Management (DRM)? Doch bitte keine weitere Gängelung bei Inhalten, für die wir bezahlt haben.

Während wir bei Verwendung eines Universalbetriebssystems (wie Windows oder Mac OS) auf einer hinreichend zugänglichen Hardware die Wahl haben, welchen Netzbetreibern, Anwendungsherstellern und Inhaltelieferanten wir uns sonst zuwenden, wir also in den uns zustehenden Genuß eines freien Marktes kommen, müßten wir uns bei Verwendung eines iPhones dem Diktat des Herstellers beugen. Das wollen wir aber nicht tun. Uns ist freilich bekannt, daß man ein iPhone hacken kann, wie man es "jail-breakt" und so weiter. Da wir an solchen Basteleien aber mittlerweile keine besondere Freude mehr haben und aus dem Besitz eines geknackten iPhones keine Genugtuung schöpfen können, bleiben wir bis auf bessere Zeiten beim Nokia mit voller Tastatur und Symbian-Betriebssystem.

Es ist abzusehen, daß das iPad ebenfalls ein geschlossenes System sein wird. Damit erhält es von uns erst einmal seinen gebührenden Mißtrauensvorschuß. Wir trösten uns damit, daß sich in diesem Marktsegment bald sehr viele Anbieter tummeln werden und Microsoft bei der Kreation neuer Geschäftsmodelle einiges verpaßt hat, also Betriebssystemhersteller geblieben ist. Vielleicht wird unter den vielen kleinen, praktischen Geräten auch mal so ein schönes Stück Hardware sein, das aber unter Windows 7 läuft, normale PDFs anzeigt, normale MP3s, MP4s und Adobe Flash abspielt und seine Inhalte überall beziehen kann.

Wir sind gespannt, wie sich die Medienbranche jetzt umstellt. Wir beziehen unsere FAZ schon seit Jahren täglich online im PDF-Format, bezahlen dafür, wie es sich gehört, und hoffen, daß es bei diesem Arrangement bleiben kann.