Bahnfahren |
von bez für |
Ich pendle regelmäßig zwischen Berlin und München. Vor zehn Jahren habe ich diese Strecke mit dem Auto bewältigt. Mittlerweile sind mir zweimal 600 km pro Woche selbst fahren zu viel. Vor allem sind das unproduktive fünf Stunden. Und Autofahren macht auch keine Freude mehr. Die erste Spur der Autobahn gehört allein dem Lastverkehr, die zweite Spur wird in wenigen Jahren auch fest in der Hand des Transportgewerbes sein. Bald kommt der 25 Meter lange Lastzug, die Lastwagen werden weiterhin europaweit mit der "elektronischen Deichsel" virtuell aneinandergekoppelt sein und kilometerlange Lastzüge bilden. Auf der dritten Spur kämpft ein kleiner Nissan kilometerweit mit 146 km/h gegen einen Mazda auf der zweiten Spur mit 143 km/h. Die Autobahn ist ein Alptraum.
Wenn der Güterverkehr also offensichtlich auf die Straße gehört, muß der Individualverkehr notgedrungen auf die Schiene ausweichen. Bahnfahren ist in den letzten Jahren deutlich bequemer geworden, auch wenn es noch einiges auszusetzen gibt an dem Unternehmen und seinem Ersten Vorsitzenden. Der ICE ist die beste mir bekannte Art, Entfernungen über 100 km zu überwinden. Und man muß nicht vorher planen, sondern steigt einfach in den Zug und fährt los. Wer kann schon genau sagen, wann er abends aus dem Büro kommt. Man steigt mitten in der Stadt ein und aus, nicht irgendwo 20 Kilometer außerhalb. Fliegen ist also keine Alternative.
Ich zahle im Jahr knapp 6000 Euro für eine Netzkarte, die mir ermöglicht, im ganzen Land mit beinahe jedem öffentlichen Verkehrsmittel ohne weitere Kosten zu fahren - eine Verkehrs-Flatrate sozusagen. Vor wenigen Jahren waren es noch 5000 Euro, die Preise steigen deutlich schneller als die Inflationsrate, aber die Bahn muß schließlich Gewinn erwirtschaften, das unterstützen wir doch gern. Wenn die Privatisierung in der von der Regierung angestrebten Form kommt, wären wir durchaus in der Lage, noch mehr zur Erfüllung der Gewinnerwartungen beizutragen.
Dafür bekommen wir mehr Zeit zum Arbeiten oder Nichtarbeiten, mehr Gelassenheit und die Möglichkeit für das eine oder andere interessante Gespräch. Erster Klasse zu fahren ist unbedingt zu empfehlen, wenn man viel unterwegs ist.