Wieviel Haß steckt in der freien Presse?

Von Thomas Bez am 28.02.2020 im Weblog Tedesca <http://www.tedesca.net>


Screenshot, Quelle: FAZ/Youtube

Diesen Aufmacher zu einem Videobeitrag sahen wir gestern groß und fett auf FAZ.NET. Es gibt dieses Video weiterhin auf Youtube <https://www.youtube.com/watch?v=laKw1iofBmk>.

»Trägt die AfD eine Mitschuld an den Toten von Hanau? Wie viel Hass steckt wirklich in der Partei? Finden Sie es heraus in der neuen Ausgabe der F.A.Z. Woche.«

Wir haben nicht das Bedürfnis, uns noch von der FAZ helfen zu lassen, mehr herauszufinden. Unser Ekel angesichts dieses Bildes war groß genug. Juristisch unverfänglich: Mitschuld der AFD – Fragezeichen. Doch darüber dieses widerwärtige, infame, hetzerische Bild. HASS – schwarz-weiß-rot, mit SS-Runen. Drunter gehts ja auch garnicht mehr. Die Faust trieft, und wären die Tropfen nicht schwarz, meinten wir, es wär Blut. Worüber sagt dieses Bild etwas aus? Über die AFD nichts, aber viel über die Zeitung.

Zwölf Jahre lang waren wir Abonnent der FAZ, hatten sie einmal die beste Zeitung der Welt genannt, bis es in den bleiernen Jahren abwärts ging mit ihr und sie nach Schirrmachers Tod schnell unerträglich wurde. Schließlich machte ein Artikel eines ihrer Obersudler im April 2016 für uns das Maß voll und war Anlaß, unser Abonnement zu kündigten. (Wir stellen seinen Namen hier nicht neben den Schirrmachers.) Die FAZ wird unseren Weggang verschmerzen. Demnächst bekommt sie ja Stütze aus den Rundfunkbeiträgen. Solange die Zwangsabgaben fließen, kann man unbeschwert sudeln.

Wir haben noch weiter die FAZ im Netz kostenlos genutzt, um die Nachrichten des Tages mitzubekommen. Aber das ist wohl nicht mehr die FAZ, das sieht aus wie Der Stürmer. Uns graut bei der Vorstellung, was die geballte Medienmacht, von den offiziellen Staatsmedien über die vom SPD-Redaktionsnetzwerk gefütterten Käseblätter bis zur schon fast vollständig gleichgeschalteten Privatpresse, in den Köpfen des schlichten, verführbaren Volkes anstellt. Womöglich ähnliches wie einst der Stürmer. Juristisch hoffentlich ebenfalls unverfänglich: Schreiben bei der FAZ Haßredner? Fragezeichen.

Was bedeutet es, daß bei Youtube 400 Daumen nach oben zeigen und 2,2 Kilodaumen nach unten? (Wenn Sie auf das Bild klicken, sehen Sie auch die kleine Schrift.) Heißt das, 15% schließen sich der Behauptung des Videos und dem, was vermutlich in der FAZ Woche steht, an, aber 85% finden das, was sie da sehen, ebenso widerwärtig wie wir? Das gibt Hoffnung, dann sollten sich aber mehr als 2600 Leute zu diesem Unrat eine Meinung bilden. Ein Grund, dies hier zu schreiben.

Wir halten selbstverständlich zur einzigen verbliebenen Opposition, so lange sie nicht verboten wird. Wir hassen nicht, wir sind verzweifelt und lesen wieder Westpresse: die NZZ, das letzte verbliebene größere seriöse Blatt für Deutschland.


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Das erinnert uns an unsere Jugendzeit in diesem längst untergegangenen kleinen Land im Osten. Wir waren dreizehn, vierzehn, das war also Mitte der 1970er Jahre. Die Nachbarwohnung war für niedere Chargen im diplomatischen Dienst vorgesehen. Zur genannten Zeit wohnte dort ein Angestellter der griechischen Botschaft, der DIE WELT bezog. In der Frühe kam immer ein unauffälliges Fahrzeug, das Westpresse an die Privilegierten auslieferte. Wir hatten die Fingerfertigkeit entwickelt, die Zeitung unbeschädigt durch den Briefkastenschlitz herauszupopeln; später optimierten wir den Prozeß und feilten einen Nachschlüssel zum Briefkasten. Unseren Eltern konnten wir mit unserer kriminellen Energie große Freude bereiten, und an den schulfreien Tagen hatten wir auch selbst den Genuß, uns bei Springer aus erster Hand über die Wahrheit zu informieren. Oder was damals für Springer die Wahrheit war. Am späteren Vormittag wurde das Blatt sauber wieder zusammengesetzt, gefaltet und fast noch jungfräulich in den Kasten zurückexpediert. Der Grieche war nett, tolerant und hat sich nie beschwert.

Abgesehen davon, daß wir die NZZ heute leichter bekommen können, ist vieles wieder wie damals. Wir fürchten nur eben, es schalten nicht mehr genügend Leute ab. Seinerzeit wurde der oberste Hetzer "Karl-Eduard von Schni" genannt, dann hätten alle abgeschaltet. Aber hiergegen ist Herr von Schni ein Waisenknabe. Werden wir irgendwann einmal in unseren späteren Jahren doch noch in einem anständigen Land leben?