Über unseren Köpfen

Von Thomas Bez am 25.04.2022

Weblog Tedesca <http://www.tedesca.net>

 


Aufmerksam wurden wir durch das satte Motorengeräusch eines schweren Militärfliegers an unserem mecklenburgischen Himmel, wo sonst:

1. Verkehrsflugzeuge in 10.000 Metern Höhe über uns hinwegfliegen, von irgendeinem A nach irgendeinem B <http://www.tedesca.net/1497791982:0.html>, denn wir sind hier glücklicherweise Flyover-Country <http://www.tedesca.net/1526667540:0.html>, und

2. Eurofighter bei schönem Wetter ihre überflüssigen Übungen abhalten, auch gern im Tiefflug – es kommt vor, daß welche dabei abstürzen <https://www.nordkurier.de/mueritz/offenbar-kampfjets-an-der-mueritz-abgestuerzt-2435895406.html>, aber hier leben ja kaum Menschen.

Über unserem Gebiet war also diesmal das Geräusch einer Transportmaschine, das sich in regelmäßigen Abständen wiederholte, es handelte sich um ein Tankflugzeug.

 


Heimflug nach Ad-hoc-Einsatz

Es war auch nur ein kurzer Aufenthalt, gerade einmal fünf Schleifen.



Auf Twitter wird ständig und praktisch über alles geredet. Dort erregen auch solche kurzen Militärfluge Aufmerksamkeitsechos, und immerhin kam der Flieger extra aus England. (Auf die Bilder klicken zum Vergrößern.)


Abendliche Rückkehr zur Basis

Einziger Anlaß für diese Mission war offenbar "JAKE", ein Aufklärungsflieger, der schon länger unterwegs gewesen sein muß, aber anscheinend vor dem Tanken ohne eine Kennung zu übertragen, denn eine Route vor dem Tankzeitpunkt wird nicht gezeigt. Nach dem Tanken flog er die russisch-weißrussisch-ukrainische Grenze ab und umrundete zweimal die Region Königsberg, um sich dann zum Feierabend auf den Heimweg in die Pfalz zu machen.

 


Zwei Gefechtsfeldaufklärer über Polen

Vorerst sahen wir nach, was sonst unterwegs wäre, und fanden zwei Gefechtsfeldaufklärer, einen amerikanischen und einen englischen, die nach Weißrußland blickten.

 


Weiterflug nach Rumänien

Der Amerikaner verlegte seine Schleife dann nach Blickrichtung Königsberg, während der Engländer weiter nach Rumänien flog, wo auch schon ein Tankflugzeug sowie ein AWACS-Luftaufklärer der Amerikaner kreisten.


Lufttankstelle über der Nordsee

Das war am ersten Tag von Phase 2 der Operation Z, und der NATO-Himmel über unseren Köpfen war voller Gerät. Und so sieht zur Zeit die typische Observierungskonfiguration eines Tages aus:

1. Der Tag beginnt über der Nordsee vor der englischen Küste mit der Einrichtung einer großen Lufttankstelle fernab des Einsatzgebietes, um teure und zeitraubende Tankstops auf dem Boden zu sparen. Oder, wie wir gesehen haben, ad hoc auch einmal über Mecklenburg, wenn es gerade pressiert und jemandem das Benzin auszugehen droht.


Lokale Konfiguration im Einsatzgebiet

Betankung einer AWACS

2. In ein, zwei oder drei Einsatzgebieten über Polen und Rumänien kreisen jeweils ein Gefechtsfeld- und Kommunikationsaufklärer, eine lokale Tankstelle und in einigen Fällen ein AWACS-Luftaufklärer.


Filtern nach relevanten Flügen

Global Hawk Drohne auf dem Heimflug

3. Dazu kommt an manchen Tagen eine Langstreckenaufklärungsdrohne, die 24 Stunden am Stück unterwegs ist und unermüdlich grenznahe Bereiche oder das Schwarze Meer abfliegt. Im Bild als "FORTE" zu sehen auf dem Heimflug.


Schwedischer Aufklärer über Polen

Aktiv sind hauptsächlich Amerikaner und Briten. Gelegentlich sind auch Schweden mit von der Partie, die sich nicht auf die Ostsee beschränken und mit eigenen, etwas bescheideneren Aufklärern über Polen fliegen. Die NATO wuchert also insgeheim schon weiter.

Die Flugbewegungen kann man gut mithilfe einiger Portale im Internet verfolgen, von denen Flightradar24 <https://www.flightradar24.com> das populärste ist. Das sind öffentlich zugängliche Informationen, aus denen man sich eine eigene Anschauung zusammensetzen kann, zu der die gängigen Medien nicht verhelfen können. Wer seine Zeit nicht auf Broterwerb fokussieren muß, kann es sich erlauben, einmal ein, zwei Tage in solch ein ausgefallenes Thema zu investieren und ist hinterher wieder ein klein wenig klüger.

Um besondere Geheimhaltung scheint man sich nicht zu bemühen. ADS-B Sender gehören zwar zur Standardausstattung von Boeing und Airbus und anderen Serien, dienen aber in erster Linie dem zivilen Luftverkehr. Ob sie bei den genannten Flugzeugklassen eine militärische Relevanz besitzen, ist uns nicht bekannt. Vielleicht ist es Teil der Strategie, Psy-Op, daß jeder Interessierte es sehen soll. Eine subtile Art, das Copyright an diesem Krieg für sich zu beanspruchen. Kleine Flieger für taktische Verwendung, Patrouillenflugzeuge, sieht man in den Flugradarportalen im Internet nur selten, sie werden über zivile Technik nicht erfaßt.

 


Das Schicksal Europas

Fazit

Täglich geht es von England, Deutschland, Gibraltar, Sizilien und Zypern in Richtung Polen, Rumänien und Baltikum. Europa ist ein anglo-amerikanischer Flugzeugträger.

Es erweckt nicht den Anschein, daß die Amerikaner an Deeskalation und einer baldigen Beendigung des Krieges interessiert sind. Im Gegenteil: sie sind äußerst neugierig. Die Amerikaner waren ja in modernen und postmodernen Zeiten bei etlichen Kriegen zu besichtigen, genauer gesagt zahllosen Kriegen, aber nicht so die Russen. Das erfolgreiche Eingreifen Rußlands in Syrien erfolgte entsprechend dem US-typischen Luftkriegsparadigma. In der Ukraine beobachten die Amerikaner jetzt Rußland bei einer Bodenoperation, und sie können sich daran gar nicht satt sehen.

Man könnte auch auf den Gedanken kommen, daß nicht die russische Armee gegen die ukrainische, insbesondere einige derer protofaschistischer Verbände kämpft, sondern daß dies ein Stellvertreterkrieg Amerikas gegen Rußland ist. Genau das ist tatsächlich unsere Meinung.

Und schließlich muß das ganze ziemlich viel Treibstoff kosten. Der Westen wird auch weiterhin auf russisches Öl angewiesen sein.