TEDESCA Weblog

You are logged in as user SEARCHENGINE.
This user belongs to group and to community

Weblog Hilfe

 

Tip of the Day:

Die Weblog-Landkarte zeigt die Orte bestimmter Ereignisse an more…


Und wieder zeigt Köln, wohin die Reise geht

By Thomas Bez for Welt
30.09.2018 09:36 new
in Weblog TedescaNet

Ein Meer roter Fahnen und weißer und blauer Kopftücher sehen Wir in der FAZ

Was da gerade auf unserem Boden dem islamistischen Diktator zujubelt, sind die fein integrierten Nachkommen und Sippenmitglieder jener Fachkräfte, die wir uns seit den 1960er Jahren, also vor nunmehr 50 Jahren, ins Land geholt haben. Vermutlich die meisten von ihnen können beanspruchen, Deutsche genannt zu werden. Für den fremden Diktator sind seine Landsleute in der Diaspora nichts anderes als Saat, die aufgehen, sich mehren und sein und seines Gottes Imperium vergrößern möge. Die Bilder und die Zahlen der Teilnehmer von Kundgebung und Gegenkundgebung legen nahe, daß diese seine Landsleute nichts anderes beabsichtigen als ihm damit zu dienen. Jetzt sind sie halt da.

Wobei Wir keinen Anlaß haben, Uns über den ausländischen Diktator zu mokieren. Er tut genau das, was seine Aufgabe ist: seiner Nation und seiner Religion dienen. Die, die ihn bejubeln nach Jahrzehnten und Generationen in diesem Land, sind erwiesenermaßen in der Mehrheit unter ihren Landsleuten und beweisen, daß Integration das Gegenteil von Assimilation ist.

Zu relativieren ist, daß "wir" sie geholt hätten. Die damalige Unterwanderung war noch eine Angelegenheit von Westdeutschland, das den Siegermächten gehorchte und dessen Industrie gern billige Fremdarbeiter wollte. Auf das Konto der ostdeutschen Kanzlerin gehen nun neue Fachkräfte, die in weiteren 30 oder 50 Jahren genauso gut integrierte Nachkommen hervorgebracht haben werden, welche dann ebenfalls alle deutsche Staatsbürger sein werden und die Fünfte Kolonne noch viel finstererer Usurpatoren hier in unserem nimmermehr wiederzuerkennenden Land.

Die Bürgermeisterin, die zu anderem Anlaß einmal Armeslänge empfahl, soll wieder klare Worte gefunden haben. Sie klagt über mangelnden Respekt für sie, ihr Amt, die Kölner allgemein. Von weiteren klaren Worten ist nichts überliefert. Der Sieger respektiert aber niemanden und nichts außer seinem Clan, seinem Stamm und seiner Religion. Man darf schon einmal üben, den Arm zum Rabia-Gruß hochzureißen, das wird noch gebraucht werden.

Freilich: Fernab von allen Brennpunkten wie Berlin, Köln, Frankfurt, Chemnitz müssen wir in den Tiefen unserer mecklenburgischen Provinz eigentlich keine Notiz von solchen Geschehnissen nehmen. Hier ist was viele Städter neuerdings gern als zu unserem Land gehörend sehen wollen schlichtweg nicht existent. Die Leute sprechen deutsch und denken gesund. Das Land ist hier noch unser, im nahe gelegenen Garnisonsort ist das nicht anders, und die Residenzstadt ist fern.

Und dreißig Jahre sind ohnehin Unsere anzunehmende Restlaufzeit, was dann kommt, geht Uns selbst nichts mehr an. Uns will scheinen, es gab nie ein komfortableres Leben auf Erden als dieses hier und heute. Wir tanzen auf dem Vulkan. So viel wird morgen anders sein.

 


Lärm um Chemnitz, Stille um Köthen

By Thomas Bez for Welt
10.09.2018 18:04 new
in Weblog TedescaNet

Kommentar zu einem Beitrag von Martin Lichtmesz in Sezession

Es ist merkwürdig still um Köthen in der Systempresse. Da skandieren angeblich 500 von 2.500 Demonstranten "Nationaler Sozialismus jetzt!", was ganz schön laut gewesen sein müßte, und darüber schreibt gerade mal die FAZ einen moderaten Artikel. Da hieß die Demonstration auf einmal doch Trauermarsch, und an seinem Rande wären zunächst keine Ausschreitungen oder Gewaltszenen bekannt geworden. Das freut Uns sehr und zu Unserer Überraschung anscheinend auch die FAZ, denn sie meldet, daß Blumen und Kerzen niedergelegt wurden.

Beim Spiegel kann man sich an Maaßen abarbeiten und ist froh, über einen liebsamen (Sagt man so? Wir meinen einen nicht ganz unliebsamen.) neuen Bürgermeister in Sachsen berichten zu können. Die Zeit schreibt von Neonazis, unterschlägt aber die Parolen. Und so weiter durch die Presselandschaft. Am ausführlichsten berichtet ausgerechnet die NZZ. Die meldet sogar, daß ein Redner das Wort Rassenkrieg benutzt habe. Ach ja, TAZ und Huffington Post auch.

Eigentlich müßten alle unisono aufgekreischt haben. Was ist der Grund für diese gespenstische Zurückhaltung? Ist es die nackte Angst des Apparats, daß jedes bißchen weitere Konfrontation demnächst einen Ausbruch befeuern könnte? Stehen wir dichter vor Aufständen als bisher geahnt? Jedem Falken und sogar jedem Trottel ist wohl bewußt, daß ein Staat nicht als derselbe aus einem (wenn auch nur lokalen) Ausnahmezustand herauskommt, als der er hineingeschliddert ist.

Wie fein die Medien gleichgeschaltet sind, wundert Uns freilich nicht, aber dies ist ein hübsches Exempel. Haben Presse, Funk und Fernsehen in ihrer Liebedienerei, ihrer etwas außer Kontrolle geratenen Schreiberei und Rederei über Chemnitz, etwas zu viel des Guten getan? Ihre Norm zu sehr übererfüllt? Führt zu dem Spin der Berichterstattung über Köthen vielleicht weniger die aufkeimende Angst des Apparats vor Unruhen, sondern eher der Wunsch, vor den anstehenden Wahlen wieder etwas bleierne Schwere zu schaffen? Dann können wir zumindest hoffen, daß der Ton des offiziell geführten Teils der Debatte sich auch im weiteren für die nächste Zeit wieder etwas mehr versachlicht.

Was natürlich nicht heißt, daß wir nicht erst recht Tacheles reden müssen.

Das Hoffnungslose des Zustands, in dem wir alle uns hier und heute befinden, zeigt sich jeden Morgen, wo eine der ersten Unserer Handlungen ist nach dem Tablet zu greifen und schnell drei, vier Nachrichtenseiten durchzusehen, ob es schon wieder irgendwo einen Messermord gegeben hat und ob ein Krieg Amerikas mit Rußland womöglich unmittelbar bevorsteht.

 


Kein Echo

By Thomas Bez for Welt
25.04.2018 17:02 new
in Weblog TedescaNet

Anläßlich des Beitrags Kollegah vs. Campino: Kulturkampf oder Ablösung? auf Sezession

Noch vor wenigen Tagen hätten Wir einem Interviewer nicht einmal beantworten können, was der Echo denn sei. "Der Echo", hätten Wir vielleicht gesagt, das klingt nach einem Preis, so wie "der Oskar", wobei "der Echo" den Preischarakter des Echo deutlicher betont, weil es sonst "das Echo" hätte heißen müssen.

Wir vermuten nun nicht nur mehr, daß "der Echo" ein Preis war, Wir wissen es sogar. Aber da war er schon abgeschafft. Durcheinandergewirbelt in einem Shitstorm, zugrundegeschrieben von allen Medien, zurückgegebenen von allen unterbelichteten früheren Empfängern (darunter auch einige, deren Unterbelichtetsein Uns bislang entgangen war), eingestellt von seinen Auslobern. Eine absterbende Gesellschaft in einem untergehenden Staat schleift eine weitere ihrer kulturellen (so hört man) Institutionen. Denn er hat "Auschwitz" gesagt.

Mehr nicht, mehr war auch gar nicht nötig. Von Juden soll nicht die Rede gewesen sein. Aber egal. Schon das Wort "Auschwitz" allein ist in der neueren deutschen Geschichte immer ein schöner Auslöser der Fremd- und Selbstabschaffung. Ein bißchen Rap, echtes deutsches Kulturgut, wie alle wissen (auch wenn wir selbst von Rap wenig verstehen), das Wort "Auschwitz", und weg ist er, der Echo. Na sowas. Das war ja mal ein echter Rap, ein Meta-Rap, sozusagen.

Wer ist jetzt borniert – Wir oder diejenigen, die sein, des Echo, Verschwinden je nach ideologischer Ausrichtung mit Bedauern oder Genugtuung beobachten?

Fand überhaupt eine Beschimpfung statt? Und falls ja, wer eigentlich war der Beschimpfte in einer undurchsichtigen Textzeile eines unverständlichen Liedes? Und gehen Uns der Beschimpfende oder der womöglich, mutmaßlich Beschimpfte irgendetwas an?

Wird jemand eines Tages zu passender Gelegenheit das passende Triggerwort über Deutschland sagen? Womöglich gar irgendein Beutedeutscher? Ein so kräftiges Wort zu so passender Gelegenheit, daß das gesamte indigene und sonstige Staatsvolk oder zumindest eine signifikante Mehrheit von SPD bis AFD wie aus einer Kehle ruft: "Deutschland, du mieses Stück Scheiße, du gehörst ja tatsächlich abgeschafft, hinweg mit dir!" – Wird dann Deutschland kurzerhand geschlossen, eingestellt oder aufgelöst? (Ja, wie benennt man diesen Vorgang?) Wird das Uns dann genau so wurst sein wie jetzt die Abschaffung des Echo? (Immerhin wissen Wir, was Deutschland einmal war, im Gegensatz zum Echo, von dem Wir bislang nichts wußten.)

Wird ein Dichter, vielleicht einer wie Botho Strauß, eine Farce schreiben des Titels "Deutschland. Ein Verdämmern", die dann auf norwegischen und albanischen Staatstheaterbühnen aufgeführt wird? Werden Wir davon Kenntnis nehmen und welches Medium wird übrig geblieben sein, diese Kenntnis zu Uns zu tragen in Unser mecklenburgisches Exil?

Wir fühlen Uns in dieser Causa irgendwie unpolarisiert, zumindest stark unterpolarisiert. Benn kam Uns wieder einmal in den Sinn: "Die Clique, die klatscht, ist das gleiche Kaliber wie die Clique, die pfeift, die einen sind von rechts dumm, die andern sind von links dumm." Wir werden es wohl dabei bewenden lassen und sehen alles rein phänomenal.

 


Kontokündigung

By Thomas Bez for Welt
14.04.2018 06:35 new
in Weblog TedescaNet

Das Institut für Staatspolitik, ihm angeschlossen die Zeitschrift Sezession, unsere Lieblingspublikation der Neuen Rechten, meldet, daß ihm von der Postbank das Konto gekündigt wurde. Eine üblich gewordene Repressionsmaßnahme gegen Andersdenkende in unserem freiheitlichen System. Ob natürliche oder juristische Person – die Existenz steht auf dem Spiel, wenn man kein Konto mehr führen kann. Stellen Sie sich mal vor, man entzieht Ihnen das Bankkonto, weil Sie unliebsame Dinge äußern. Miete zahlen wird schwierig, das Gehalt können Sie im Köfferchen abholen (wenn Sie noch lange Gehalt kriegen), Schluß mit Paypal und Amazon, die Kreditkarte haben Sie auch nicht mehr lange. Dann gehts ans Eingemachte und danach wird Hartz Vier bar abgeholt.

Es muß (meist) nicht um das nackte Leben fürchten, wer andere Meinungen vertritt als der Mainstream. Aber fast alles sonst kann uns passieren. Die Drohung hängt über uns, daß wir Arbeit oder Aufträge verlieren, daß wir verleumdet und denunziert werden, daß wir in den sogenannten sozialen Netzwerken gesperrt werden, daß uns Bankkonten oder Versicherungen gekündigt werden und wir keinen Zugang zu Ersatz erhalten. Das alles selbstverständlich im Rahmen des geltenden Rechts, der Vertrags- und Meinungsfreiheit. Wir dürfen sagen, was wir wollen (nun, das meiste, na, jedenfalls einiges) und das Syndikat unserer Gegner darf uns dafür vernichten.

Die Drohung hängt auch über uns, daß wir mit falschen oder wahren Anschuldigungen erpreßt werden, daß uns der Zugang zu Haus und Hof blockiert wird, daß uns Auto oder Haus angezündet werden. Das ist zwar nicht ganz im Rahmen des geltenden Rechts, aber wie sollten die Organe dem Recht Geltung verschaffen, wenn sie keines Täters habhaft werden?

Wer etwas zu verlieren hat (Menschen oder Dinge, die ihm lieb sind, eine bürgerliche Existenz), läßt dies besser im Verborgenen blühen und verhält sich still. Das war unter Honecker und Ulbricht so, unter Stalin, unter dem Unaussprechlichen...

Wir nennen es Terror.

Wir werden unseren Banken schreiben, daß sie in unserer Achtung stiegen, sollten sie dem IfS ein Konto eröffnen. Wir möchten unseren Freunden anheimstellen, bei ihren Banken das gleiche zu tun. Nicht daß wir glaubten, dies könne viel bewirken. Welche Bank will schon das Syndikat verärgern. Aber vielleicht doch. Es kostet nur fünf Minuten für einen Brief und etwas Porto, und sogar wer noch im Berufsleben steht, kann sich so viel Unterstützung für einen konservativen Thinktank erlauben.

 


Der Faschismus, noch immer in seiner Epoche

By Thomas Bez for Welt
29.03.2018 19:59 new
(with 1 comment)
in Weblog TedescaNet

"Dogville", wieder gesehen nach 15 Jahren

Vor 15 Jahren erschien Lars von Triers Film "Dogville". Seine Darstellungsmittel erschienen avantagardistisch, viele mögen geglaubt haben, der Film sei auf ihrer Seite, also sozusagen irgendwie links. Den Ort Dogville ausgelöscht hat schließlich auch nur eine finstere Verbrecherclique, da war alles klar im Raster von gut und böse und man mußte nicht genau hinhören. Den wuchtigen Schlußdialog wollte wohl niemand zur Kenntnis nehmen.

Grace: Ich schwinge mich nicht zum Richter über andere auf.

Vater: Du schwingst dich nicht zum Richter auf, weil du mit ihnen sympathisierst. Sowas wie eine zerrüttete Kindheit, und in der Folge davon ist ein Mord nicht unbedingt ein Mord – richtig? Du machst allein die Umstände für alles verantwortlich. Vergewaltiger und Mörder mögen gemäß deiner Auffassung Opfer sein, doch ich nenne sie Hunde. Und wenn sie ihr eigenes Erbrochenes auflecken, kann man sie nur mit der Peitsche davon abhalten.

Grace: Aber Hunde gehorchen nur ihrer eigenen Natur, warum sollten wir ihnen nicht vergeben?

Vater: Hunden kann man viel Nützliches beibringen, aber nicht, wenn wir ihnen jedes Mal vergeben, wenn sie ihrer eigenen Natur gehorchen.

Grace: Also bin ich arrogant, weil ich anderen Menschen vergebe?

Vater: Wie herablassend du bist, wenn du das sagst. Du gehst von diesem Vorurteil aus, daß niemand einen dermaßen hohen moralischen Anspruch an sich stellt wie du. Also entlastest du sie. Du vergibst anderen mit Entschuldigungen, die du nie und nimmer für dich selbst geltend machen würdest.

Grace: Warum sollte ich nicht barmherzig sein?

Vater: Nein, du solltest barmherzig sein, wenn Barmherzigkeit angebracht ist. Aber bleib dabei deinen Ansprüchen treu. Das schuldest du ihnen. Die Strafe, die du verdienst für all deine Vergehen, verdienen auch sie für all ihre Vergehen.

Grace: Sie sind menschliche Wesen.

Vater: Muß sich jeder Mensch für seine Taten rechtfertigen? Natürlich muß er das. Doch du läßt ihnen nicht einmal die Chance dazu.

Grace: Die Menschen, die hier leben, tun ihr Bestes unter sehr harten Bedingungen.

Vater: Wenn du das sagst, Grace... Aber ist ihr Bestes wirklich gut genug?

Erzähler: Grace sah all die verängstigten Gesichter hinter den Fensterscheiben und schämte sich dafür, daß sie diese Angst mit verursachte. Wie konnte sie sie jemals hassen für etwas, was im Grunde lediglich Schwäche war? Hätte sie nicht das gleiche getan wie all diese Leute in ihren Häusern? — Grace hielt inne, und währenddessen zerstoben die Wolken und das Mondlicht zeigte sich. Und Dogville machte wieder eine jener kleinen Lichtveränderungen durch. Es war so, als wenn das Licht, zuvor barmherzig und schwach, sich weigerte, die Stadt noch länger zu schützen. Das Licht drang jetzt in alle Unebenmäßigkeiten und Makel an den Gebäuden. Und an den Menschen. Und mit einem Mal kannte sie die Antwort auf ihre Frage nur allzu gut. Hätte sie selbst so gehandelt, wie die Menschen hier – nicht eine einzige ihrer Taten hätte sie verteidigen können und nicht streng genug verurteilen. Nein, was sie getan hatten war nicht gut genug. Und wer die Macht besaß, dies richtig zu stellen, hatte die Pflicht, es auch zu tun. Um anderer Städte willen, um der Menschheit willen, und nicht zuletzt auch um des Menschen willen, der Grace selbst war.

Grace: Ich könnte teilhaben daran, Probleme zu lösen, so wie das Problem von Dogville.

Vater: Wir könnten anfangen, indem wir einem Hund erschießen und ihn an die Wand nageln. Das hilft manchmal.

Grace: Nein, nein. Das würde die Stadt nur noch mehr verängstigen, aber nicht zu einem besseren Ort machen. Und es könnte wieder geschehen, falls zufällig dort jemand vorbeikommt und enthüllt, wie verletzlich sie sind. Diese Welt soll durch mich ein kleines bißchen besser werden. Wenn es eine Stadt gibt, ohne die die Welt besser dran wäre, dann diese hier.

Die Provinzler, heißt es in "Dogville", können nicht "annehmen". Insbesondere nicht das Geschenk an, als das eine Fremde sich darbietet, die nur eben nichts beitragen kann, um das prekäre Leben der Gemeinschaft leichter zu machen, da sie noch nie in ihrem Leben gearbeitet hat, die für den Ort ein Risiko darstellt, da sie von ihrem Clan und der Polizei gejagt wird, und die außerdem nervt, weil sie so hochnäsig wie ahnungslos daherkommt. Die Gemeinschaft reagiert auf den Zuzug der Fremden erst verstört, agiert dann unverschämt, niederträchtig, entwickelt sich schließlich gewalttätig vom Objekt zum Subjekt des Handelns und wird endlich durch den intellektuell und kulturell höherstehenden Protagonisten ausgelöscht, um die Welt dadurch besser zu machen.

Das ist wohlgemerkt keine Auseinandersetzung zwischen indigenem Volk und eingewanderten Fremden aus einem anderen Kulturkreis. Dieses Thema haben wir kürzlich erst mit einem anderen Film behandelt. Hier stoßen zwei Parteien aufeinander, die demselben Kulturkreis, vermutlich derselben Religion, demselben Volk, derselben Gesellschaft angehören, sich nur in ihrer Klassenzugehörigkeit unterscheiden. (Religionszugehörigkeit ist so eindeutig kein Thema in diesem Film, daß wir nicht einmal zu einer Meinung kommen können, ob von Trier mit der Besetzung des Gangstervaters mit James Caan absichtlich oder versehentlich eine falsche Spur gelegt hat.)

Die Bewohner des Provinznestes sind freilich selbst unausstehlich. Einfaltspinsel, Lügner, Belästiger und Vergewaltiger. Graces Fazit, daß die Welt ohne diesen Ort besser dran wäre, ist für den Zuschauer nicht schwer nachzuvollziehen. Zumindest wurde dem Film im Jahre 2003, soweit wir wissen, dieses Fazit von keinem angekreidet, was schon erstaunlich ist, da doch die westliche Elite so sensibel für alle Schwingungen des Faschismus zu sein glaubt. Die Dramaturgie des Filmes ist darauf angelegt, beim Zuschauer Verständnis für Graces Entscheidung zu erheischen, und er entläßt uns mit dem Gefühl der Genugtuung. Man könnte es auch so sagen: Der Film empfiehlt in einer solchen Konstellation Auslöschung des Niedern durch das Höhere.

Der Film ist protofaschistisch. Damals waren die meisten wohl zu verwirrt, um das zu begreifen. Jedenfalls haben ihm die falschen Leute applaudiert, wie man an der Liste der Auszeichnungen und Nominierungen sehen kann. Oder sie wähnten sich auf der anderen Seite, der Seite derer, die "die Macht besäßen, es richtig zu stellen". Aber sie wußten nicht, was und wie es richtig zu stellen sei, sie wissen es immer noch nicht.

Vielleicht waren sie auch erotisiert von dieser Veranschaulichung der Oben-Unten-Schichtung, die die Mörderbande durch Auslöschung des Ortes gibt. Dieses Phänomen ist in der Geschichte des Faschismus häufig bezeugt. Auf den Provinzphilosophen Tom (Paul Bettany) übt der Vorgang jedenfalls eine solche Wirkung aus. Er lobt die Veranschaulichung in den höchsten Tönen und würde gern mitmachen, wird aber von Grace voller melancholischem Abscheu eigenhändig erschossen, was die Veranschaulichung abrundet. Auch von dieser Art der Ablehnung williger Bewerber hat man schon mehrfach gehört.

Kein Wunder, daß Anders Breivik diesen Film mag. Und was hat er getan? Die Veranschaulichung umgekehrt und gezeigt, wie er sich faschistischen Furor des philosophischen Provinzlers (besser: Weltprovinzlers) gegen die urbane Elite vorstellt. Richard Millet hat es in seiner "Éloge litteraire" analysiert. Seit Breivik dem Film seine eigene Auslegung ("Illustration" heißt der Vorgang im Film selbst, in der deutschen Fassung viel präziser "Veranschaulichung") gegeben hat, ist es still geworden um "Dogville". Gar von Trier selbst ist zurückgewichen, als ihm derart intensiv veranschaulicht wurde, wie man seinen Film weiterdenken kann, aber er ist ohnehin ein notorischer Von-sich-selbst-Distanzierer.

Die Zeiten sind andere geworden, seit "Dogville" 2003 erschien. Die Gesellschaft der Guten und Gerechten, deren Bestes eben auch nicht gut genug ist, hat begonnen, jene ernsthaft zu fürchten, die die Konsequenz erneut veranschaulichen könnten. Die Weltläufte sind ins Rutschen geraten, nicht weniger als das letzte Mal vor hundert Jahren.

Faschisten aller Couleur gehen aufeinander los, so muß wohl das Fazit lauten. Da findet sich Links gegen Rechts, Rechts gegen Links, "Somewheres" (dumpfes Landvolk) gegen "Anywheres" (globalurbane Scheinelite) und umgekehrt, Trumps Flyover-Country gegen Obama-Clintons besseres Amerika und umgekehrt. Da müssen es nicht einmal Kulturkreise sein, die aufeinanderprallen, unsere Kultur ist der globalisierten Welt nicht mehr gewachsen und hat sich sich selbst entfremdet. Wenn bei diesen Auseinandersetzungen überhaupt Ideologien eine Rolle spielen, dann nur als Ausdruck von Lebenswirklichkeiten, politischen und wirtschaftlichen Interessen. Das Sein bestimmt das Bewußtsein.

 

Comment by Thomas Bez at 18.05.2018 20:19:

Wir lesen gerade "Deutschland ab vom Wege" von Henning Sußebach, der mit 44 Jahren feststellt, daß es eine Welt außerhalb Hamburgs gibt und loszieht, sie zu erkunden. Sußebach ist ein netter Mensch, Wir sagen das ohne jegliche Ironie. Wir nehmen ihm alles ab, seine Naivität, seine Ehrlichkeit, seinen Willen zur Wahrheit und zum guten Tun. Nichts liegt ihm ferner als Faschismus, auch jegliches Verständnis dafür. Und dieses Unverständnis zu empfinden hat er reichlich Gelegenheit bei seinen Wegen über das Land. Aber wahrheitsverpflichtet, wie er ist, erkennt er, daß in den Tiefen der Provinz andere Gesetze wirken als in der Stadt. Daß das, was in der Stadt gehebelt wird, unvorhergesehene Verheerungen bei den Aliens da draußen hervorrufen kann.

 


Die verweigerte Rezeption eines ruhestörenden Films

By Thomas Bez for Welt
14.01.2018 10:33 new
in Weblog TedescaNet

Darren Aronofskys "Mother!" über die Zerstörung unserer kulturellen Identität

Eine kürzere Fassung dieses Artikels wurde am 24.1.2018 auf Sezession im Netz veröffentlicht.

Das Haus ist gut bestellt und wunderschön, dank seiner Erbauerin (im Abspann und im Titel des Filmes "Mutter" genannt, gespielt von Jennifer Lawrence). Sie hat das Haus zwar geschaffen mit Handwerksgeschick, Fleiß, Bescheidenheit und Herzenswärme, Herr des Hauses ist aber ihr Gemahl (genannt "Er", Javier Bardem), ein gealterter narzißtischer Intellektueller, der seit einer Ewigkeit nichts Wertvolles oder Schönes mehr zustande gebracht hat. Als Fremde vor der Tür stehen (Ed Harris und Michelle Pfeiffer, pikant böse!), die vorgeben, ihn anzuhimmeln, lädt er sie kurzerhand ein, für unbestimmte Zeit, möglicherweise sogar auf ewig in seinem Haus Quartier zu nehmen.

Die Leute sind aufdringlich, okkupieren das ganze Haus, werden unverschämt, bald auch gewalttätig. Als die Fremden sich an dem zu schaffen machen, was die Bewohner als Heiligtum des Hauses betrachten und dessen immense Wichtigkeit wir erst zum Ende des Films erfahren werden, kann sich der Herr sogar damit arrangieren und begnügt sich, seinen eigenen Sicherheitsbereich zu vernageln, der künftig als einziger Ort von den Fremden tatsächlich respektiert wird.

Fürs erste haben diese aber untereinander alte Rechnungen zu begleichen, Bruder erschlägt Bruder. Schon für die Trauerfeier läßt der Hausherr zur Familie die erweiterte Großfamilie nachziehen, die meint, nun zusammenzugehören, und außerdem versichert, nirgendwo anders hinzukönnen. Die Feier eskaliert und der Mutter gelingt es, die ganze Sippe hinauszuwerfen, bevor es in völliger Zerstörung des Hauses endet.

Dann herrscht brüchige Harmonie im Hause und der Herr schreibt aus den Erfahrungen seiner eigenen Menschenfreundlichkeit heraus ein rührseliges Buch über Erbauen, Teilen und Gastfreundschaft und vermag sogar ein Kind zu zeugen. Der Herr schwelgt in seinem Glück, etwas Gutes getan und die richtigen Worte gefunden zu haben darüber zu reden. Das Buch wird reißend aufgenommen, die Kunde über das für jeden offene Haus verbreitet sich, und nun ist es nicht mehr eine Familie, die kommt, sondern Heerscharen, um ihm zu huldigen. Die Ankömmlinge versichern, bald wieder zu verschwinden, doch das tun sie nicht. Sie überrennen das Haus, das in kürzester Zeit völlig zerstört wird. Polizei kommt vorbei, versucht gar den Besitzern des Hauses zu helfen, doch wird vom Mob kurzerhand liquidiert.

Derweil giert der Herr nach dem Neugeborenen und luchst es der erschöpften Mutter ab, um auch dieses noch als sein höchstes Gut buchstäblich an die Eindringlinge zu verteilen. Die Mutter überschreitet darauf alle ihr eingegebenen Grenzen und brennt das Haus mit allem und allen darin nieder.


*     *     *

Was ist an diesem Film nicht zu verstehen? Aber Heerscharen von Rezipienten und Rezensenten schleichen um ihn herum und versuchen, den Elefanten im Raum nicht zu sehen.

Wir lasen einen irritierenden Bericht des Salonbolschewisten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Dietmar Dath, aus Venedig, in der er eine Reihe übler Beschimpfungen des Regisseurs vom Stapel läßt: "Was war das denn für ein Dreck", "Aronofskys aktuelle Schande", "einer der lästigsten Filmemacher unserer Zeit". Es heißt dort abschließend: "Aronofsky wird nie begreifen, wie man die Leute im Saal mit Kinomitteln in eine Geschichte zieht, aus der sie auch nach dem Ende des Films nicht herausfinden werden, weil die Räume dieser Geschichte sich an ihre eigene Seelenarchitektur anschließen." Nun, zumindest letzteres ist gut gesagt, und wir bekennen, daß es uns nach diesem Film gerade so ergeht. Dath, einer der lästigsten Feuilletonschreiber Deutschlands, gibt vor, Aronofskys Kinomittel nicht anerkennen zu können, weil Hitchcock, Polanski und andere es schon so ähnlich gemacht hätten. Cineastisch gebildet, der Mann, aber Quark. Wir möchten unterstellen, daß das Publikum in Venedig mehrheitlich linksliberal gesinnt ist, und wir unterstellen weiter, daß dieses Publikum die Aktualität der Geschichte durchaus erkannt hat, auch und gerade der Teil, der "Buh" gerufen hat. Jeder könnte sich selbst in einer der Figuren verorten, wenn er in den vorgehaltenen Spiegel sehen wollte.

Aronofsky formuliert die Verwerfungen der heutigen Zeit als Allegorie. Eine Allegorie benennt nicht beim Klarnamen, worum es ihr geht. Auch in einer von Benennungsverboten verstellten Geisteswelt darf der Künstler in Allegorien sprechen. Der Leser, der Zuschauer kann leichthin leugnen, sie verstanden zu haben. Und so winden sich Interpreten dieses Filmes mit Auslegungen wie, er sei eine Nacherzählung des Buches Genesis: Gott, Adam und Eva, Kain und Abel; Jennifer Lawrence ist... weiß nicht so genau, die Erde oder so. Das ist albern, aber ein bequemes Schubfach für einen unbequemen Film. Möglicherweise ist das auch die Auslegung, mit der Aronofsky das Studio herumgekriegt hat. Der ist für einen Oscar gut, werden sie sich gedacht haben, und die Geschichte kann er irgendwie erklären. Zwei Drittel des Films passen aber nicht in diese Schublade. Wenn jemand bei Paramount den Film beim Lesen verstanden hätte, hätten sie ihn nicht produziert, denn politisch unkorrekte Themen fürchten die Produzenten heute wie der Teufel das Weihwasser. Und das Gute am Nichtverstehenmüssen von Allegorien ist auch, daß jeder den Film zeigen und über seinen Inhalt sprechen kann ohne damit das Volk zu verhetzen. Freilich – wäre der Wahrheitsminister mit der Weiterentwicklung des Rechts schon so weit gekommen, daß die Behörde Hollywoodfilme verbieten könnte, würde sie das in diesem Fall vermutlich tun. So herrscht aber jetzt so viel Verleugnung, um die Peinlichkeit schnell wieder loszuwerden, wie bei einem in Venedig gezeigten Aronofsky nur möglich ist.

Rufen wir das Zentralorgan der Guten und Gerechten als Zeugen auf. Der Kritiker der NY Times ("'Mother!' is a Divine Comedy") läßt Sympathie durchscheinen: "Don't listen to anyone who natters on about how intense or disturbing it is, it's a hoot!" Aber über dieses Lob hinaus produziert er den üblichen Nebel: "highly symbolic" und so weiter. Mit dem Trick, etwas eine Göttliche Komödie zu nennen, kann man sich schon seit 700 Jahren aus der Affaire ziehen. "At a certain point – it will vary according to your Sunday school attendance – you will find yourself in possession of the key to the analogical storage room where the Real Meaning resides." More sophisticated kann man wohl nicht sein beim Navigieren um die Real Meaning herum. Die unter der Überschrift "Hating 'Mother!'" (sic!) veröffentlichten Facebook-Kommentare sind von bezaubernder Einfalt, genau so wie Betroffenheitslyrik aus der liberalen New Yorker Gosse sein muß. Das Vorhandensein einer religiöser Dimension hat die Schar wenigstens erfaßt.

Aronofsky selbst legt noch eine falsche Spur dazu. Die NY Times zitiert unter dem Titel "Making 'Mother!'" die Erklärung, die er dem braven, empörten Publikum anheim geben möchte: "It is meant to be a parable about climate change and environmental destruction." Aber von Klimawandel ist nun wirklich gar nicht die Rede in diesem Film. Umweltzerstörung und die Verteidigung der Schöpfung waren bereits Thema seines Vorläuferfilms "Noah". Die Schöpfung retten will heute jeder, das ist nicht mehr als ein Gemeinplatz. "Noah" ist konsensfähig in alle Schichten unserer abendländischen Gesellschaften hinein.

An "Mother!" hingegen scheiden sich die Geister. Wo es um Kultur geht, wird der Kernbereich des Dissenses in den postaufgeklärten westlichen Gesellschaften unserer Tage enthüllt. Nicht einmal die Kategorien Rasse, Religion, Nation oder Weltanschauung haben die Wirkmacht der gewachsenen Kultur, und entlang kultureller Leitlinien muß differenziert werden zwischen dem Unseren und dem Feindlichen. Diese Fähigkeit zur Unterscheidung besitzen die "dominierenden Minderheiten", deren Wirken Toynbee bei jedem Untergang einer Kultur diagnostiziert, eben nicht mehr. Um ihn, den Herren, "Er" genannt, geht es nämlich eigentlich in diesem Film und nicht um die Mutter oder die Fremdlinge. Kulturen werden aus ihrem Innern heraus zerstört ("sterben durch Selbstmord", wie es oft verkürzt zitiert wird), und er ist der Vollstrecker, der seine eigene Welt in die Vernichtung treiben muß. Ohne Bedenken, ohne Trauer, ohne Reue, getrieben von Hochmut und Wollust.

Das verstörende Plakat zum Film findet seine Erklärung in der mystischen Schlußsequenz des Filmes, wenn der Herr, der der Katastrophe unverletzt entstiegen ist, der sterbenden Erbauerin das Herz herausreißt. In diesem wohnen noch immer ihr Fleiß, ihre Hingabe und ihre Liebe. Wir sehen sie aus diesen Attributen der Lebenskraft wiedergeboren werden, um das Haus erneut aufzubauen. Ein Ende ohne Trost, denn wir kennen den irren Kreislauf, der damit erneut beginnt. Geschichte wiederholt sich, meint Aronofsky.


*     *     *

Gut, daß Sie bis hierher gekommen sind. Hätten Sie nur aus der Qualitätspresse von diesem Film erfahren, hätten Sie ihn sich womöglich nie angesehen. Sie hätten etwas Wichtiges verpaßt.

 


Traumziel Renationalisierung und neue Bündnisse

By Thomas Bez for Welt
19.10.2017 09:29 new
in Weblog TedescaNet

Artikel auf FAZ.NET: Die EU und ihr hohes Ross

Bei einem „harten“ Brexit verlieren alle – deshalb sollte das starke Brüssel auf das geschwächte London zugehen. Nur so lässt sich ein Showdown im Herbst vermeiden.

 

Eines werden die EU-europäischen Betonköpfe, die alles tun, um das Erreichen des Verhandlungsziels zu torpedieren, vielleicht erreichen: Der Zerlegung der multipolaren Welt in handliche Stücke viel mehr Vorschub zu leisten, als sie sich vorstellt. Das alte Kontinentaleuropa in der Mitte zwischen einem atlantischen und einem eurasischen Block, das ist doch fein. Das gibt Gelegenheit zur Rückbesinnung auf wahre europäische Werte und Stärken und kann Ausgangspunkt für bilaterale Abkommen auf der Ebene der Nationalstaaten werden. Deutschland wird in der Nach-Merkel-Ära, also nicht gleich, aber Äonen werden es auch nicht mehr sein bis dahin, vielleicht wieder zu Verstand kommen und eines der Länder in einer ansonsten weit heruntergewirtschafteten EU sein, die für bilaterale Beziehungen etwas in die Waagschale zu werfen haben. Und wenn wir an anderer Stelle lesen, 260 Pfund pro Haushalt Mehrkosten: das ist ja billiger als unsere Energiewende. Ein Dexit wäre uns doch da sehr recht.

 


"Als dann die Mauer fiel und ich zum Demokratischen Aufbruch ging..."

By Thomas Bez for Welt
11.09.2017 10:28 new
in Weblog TedescaNet

Artikel auf FAZ.NET: Die Kanzlerin im Gespräch : Wir brauchen Mut

Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung spricht Bundeskanzlerin Angela Merkel über den Kampf gegen Hass und Feigheit. Sie beschreibt, wie wichtig dabei Sprache ist. Und was Europa gewinnen kann.

 

Da spricht sie, die mutige Funktionärin, die die Zeiten, da man wirklich Mut gebraucht hätte, denkend und schweigend verbrachte und kaum Menschen, nur ein paar Kollegen traf. Das "Mädchen", das sich unter die Fittiche Kohls vorarbeitete, und ihm dann im rechten Moment mithilfe dieser Zeitung mutig das Messer in den Rücken stieß. (Dies natürlich nur metaphorisch gemeint, Kohl hat ja noch fast zwei Jahrzehnte überlebt.) Das ist in ihren Augen natürlich nicht "hintenherum", sondern mutig ins Gesicht.

Wir müssen um Verzeihung bitten, wir schreiben diese kleine Wortmeldung nach der Lektüre nur einer von sieben Seiten auf FAZ.NET, aber mehr lesen wir von Merkel-Interviews eh nie. Mutig finden wir immerhin, hier das Kommentieren zu erlauben, und die Kommentare, die wir vollständig genossen haben, zeigen uns, daß die Kanzlerin hier wohl nicht viele Anhänger hat. Wer, um Himmels willen, wählt sie dann, wenn es die Leser dieser Zeitung nicht sind?

 


Der Treck nach Norden (2)

By Thomas Bez for Welt
18.06.2017 15:19 new
in Weblog TedescaNet


Acht Monate nach dem ersten Transport sind wir nun endgültig auf unserer Insel angekommen. Diese Woche fuhren die Lastzüge mit allem Hausrat.

Dazwischen liegen unsere Planung des Sanierungsprojekts über die Wintermonate, die Auswahl lokaler Handwerksfirmen, die Arbeiten der Gewerke seit März an Haus und Infrastruktur sowie etliche Verbesserungen im Außenbereich.

Wir konnten nach einem rauhen Frühjahr den Beginn unseres ersten Sommers hier genießen. Auch mit zeitgemäßer Heizung (vor zwei Wochen wurde der Flüssiggastank in die Erde versenkt) verläuft das Leben hier enger entlang den Jahreszeiten.

Die Abende hier sind still und die Nächte dunkel. Wir sehen die silbernen Streifen der Flugzeuge in 10.000 Metern Höhe: von Hongkong nach London, von Frankfurt nach Tokio. Und heiteren Sinnes können wir bemerken, daß uns diese Orte nichts mehr angehen, gerade so wie Berlin, die Stadt, das Irrenhaus. Auch viele Nachrichten des Tages sind hier nicht relevant, verlieren sich gar im Bereich des Irrealen, und wir fragen uns, was davon wir überhaupt zur Kenntnis nehmen sollen.

Wenn es ein richtiges Leben im falschen gibt, ist hier ein Ort dafür.

 

a

b

d

f

g

h

i

j

k

l

m

x

y

z

 


Es gibt gewichtige Gründe pessimistisch zu sein

By Thomas Bez for Welt
26.05.2017 08:00 new
in Weblog TedescaNet

Artikel auf FAZ.NET: Verleugnung des Offensichtlichen

Es gibt keine einfache Antwort auf die Frage, wie sich eine liberale Gesellschaft gegen eine gewalttätige Ideologie am besten zur Wehr setzt. Großbritannien zeigt aber gerade, wie es nicht gelingt.

 

Unseren westeropäischen liberalen Gesellschaften sind die natürlichen Reflexe, den Feind als Feind zu erkennen, abhanden gekommen und damit die Fähigkeit, sich ihrer Feinde zu erwehren. Es ist irrelevant, ob man die Feindschaft aus den Lehren eines konsequent zuende gedachten irregeleiteten Islam folgert oder sie als Ausdruck eines noch fundamentaleren Kampfes der Kulturen, jenseits religiöser Verortung, sieht. Diese intellektuelle Operation vollziehen unsere Gesellschaften nicht, sondern sie ergehen sich mehrheitlich (je urbaner, desto schlimmer) im Konsum der Wonnen einer außer Kontrolle geratenen Globalisierung, die wir Westeuropäer erfunden haben, die sich aber längst gegen uns selbst gewendet hat. Not täte eine sanktionsbewehrte und von breitem gesellschaftlichen Konsens getragene Unterscheidung nach assimilationswilligen und -fähigen Fremden und solchen, die niemals Teil unserer Gesellschaften werden. Solange wir solchen Konsens nicht erreichen, haben wir noch weiter zu leiden.