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Ob er je wieder...

Von Thomas Bez
30.04.2017 07:11 UTC neu
im Weblog TedescaNet

Artikel auf FAZ.NET: Dem Tod von der Schippe

Bei einem Herzstillstand sind die Chancen auf Wiederbelebung nicht allzu gut. Notfallmediziner testen, ob Maschinen die Rettung sein können.

 

So ein schöner Tod und dagegen was für ein Aufwand, um mit der Chance von 1:30 wieder zum Leben zu erwachen, das mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Leben sein wird, wie es nur wenige würden haben wollen.

Wie kann man den Irrsinn abwehren? Sich immer ein Schild um den Hals hängen: "Laßt mich in Ruhe tot sein"?

Wir freuen uns für den einen, der es gegen alle Wetten des Schicksals geschafft hat, und müssen hören, daß er in zweieinhalb Monaten wieder arbeiten gehen will. Wir möchten ihm sagen: Besinne dich. Nutze deine Zeit, bis dein Herz womöglich wieder stehen bleibt. Lebe. Geh nicht arbeiten zu irgendwelchen Leuten.

 


Mit der üblichen Verspätung

Von Thomas Bez
03.04.2017 13:31 UTC neu
im Weblog TedescaNet

Artikel auf FAZ.NET: Trumps Ideologie kommt aus Frankreich

Es heißt, Trump könnte Le Pen im Wahlkampf helfen. Dabei ist es umgekehrt: Sein Stratege Stephen Bannon orientiert sich an französischen Nationalisten.

 

Während in Frankreich die Nouvelle Droite schon volkstümlich wird und das "Flyover-Amerika" gerade "das größte Fuck You aller Zeiten" (M. Moore) zelebriert, hängt Deutschland nationaltypisch wieder einmal eine Generation hinterher. Selbst wenn wir in Rechnung stellen und nicht für bare Münze nehmen, was die Presse gerade so hoch- und runterzuschreiben beliebt, müssen wir einräumen, daß das politische Denken des Durchschnittsdeutschen sich offenbar noch immer auf die Frage reduziert, ob noch einmal Merkel oder zur Abwechslung mal einen Namens Schulz. Die Rezeption von (tatsächlich vor allem französischen) Vordenkern ist hier auf einen kleinen, feinen intellektuellen Kreis begrenzt, dem notorisch recht einsam ums Herz ist und der nicht ohne Neid auf die vielversprechenden Anläufe westlich wie östlich von uns zur Restauration traditioneller Werte blickt. Es bleibt die Hoffnung auf die ebenfalls nationaltypische Gründlichkeit, sollte der neue Zeitgeist dereinst auch hier ankommen.

 


Wider eine Spaltung der AFD

Von Thomas Bez
22.02.2017 08:56 UTC neu
im Weblog TedescaNet

Artikel auf "Eigentümlich frei", EF-MAGAZIN.DE: Als „nette“ AfD in die Bedeutungslosigkeit?

Ausschlussverfahren gegen Björn Höcke und ein Déjà-vu - Die deutsche Rechte würde um 27 Jahre zurückgeworfen

 


Foto von Olaf Kosinsky/Skillshare.eu
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:
2015-07-04_AfD_Bundesparteitag_Essen_by_Olaf_Kosinsky-206.jpg

Daß der Vorstand der AFD mehrheitlich beschlossen hat, Höcke auszuschließen, ist noch nicht einmal das Schlimmste, was der AFD passieren konnte. Man stelle sich vor, Höcke erklärte jetzt freiwillig seinen Austritt aus der AFD. Damit wäre die Partei auf einen Schlag zumindest im Osten, wo sich die die AFD in der Sonntagsfrage noch immer bei 20-25% bewegt, marginalisiert. Oder glaubt die AFD im Ernst, daß diese Zustimmungsraten Petry und ihrem Partner in NRW zu verdanken sind, nicht Höcke, Poggenburg und Gauland?

Es ginge aber noch schlimmer, denn Höcke könnte nicht nur hinschmeißen, sondern erklären, daß er eine eigene nationalkonservative Partei zu gründen gedenkt. (Die Ehre der Beobachtung durch die Organe des Systems wird ihm ja eh schon zuteil.) DAS wäre die Katastrophe für die AFD. Freilich wäre es zu spät, diese neue Partei für die Wahl in sechs Monaten in Stellung zu bringen, aber die Motivation, eine kompromißlerische AFD zu wählen, wäre zum Teufel. Wir, der wir 20 Jahre lang CDU gewählt haben, haben uns auch nicht nach nur einer Alternative gesehnt, die "Alternative" heißt, und der man aber nicht trauen kann, daß sie auch eine Alternative bleiben wird. Und die gerade mal über den Anschein eines Programms verfügt, welcher nota bene zur Hälfte purer Sozialismus ist, was bei jedem Libertären (Wir sind doch hier bei EF, oder?) eigentlich heftige Abstoßungsreaktionen hervorrufen müßte.

Mancher Spaßvogel mag sich sogar denken, nun ganz besonders taktisch zu sein und jetzt SPD zu wählen, auf daß aus der Tragödie eine Farce werde, die nach halber Legislaturzeit an der Realität zerbrechen möge. Aber abgesehen davon, daß Gott uns auch vor 2 Jahren Rotgrün behüten möge: Bitte keine Hoffnungen hegen, denn dieser Staat hat noch nicht einmal angefangen, gegen seine inneren Gegner wirklich brutal vorzugehen.

So bleibt also, daß wir die Wahl haben zwischen (1.) einer Alternative, die möglicherweise eine Nicht-Alternative ist, aber wenigstens vorerst noch mit dem nationalen Flügel, (2.) unsere Stimme zu verschwenden an eine marginalisierte Nicht-Alternative ohne ihren nationalen Flügel oder aber (3.) gar nicht wählen.

Nein, es wird bei Alternative eins bleiben, und natürlich werden wir AFD wählen, wen denn sonst, denn man darf seine Stimme nicht wegwerfen, auch wenn sie nicht der Art Opposition dienen wird, die wir uns erträumt haben und die dieses Land eigentlich in seinem Parlament bräuchte. Zwar wird die AFD nicht mehr bei 20% Stimmenanteil deutschlandweit landen, wofür sie in ihrem Zustand vor drei Monaten noch gut gewesen wäre. Es wird eher bei 12% bleiben, aber damit wenigstens drin und sogar weit vor allen radikalen Splitterparteien. Und wir dürfen uns gewiß in den kommenden vier Jahren noch auf eine wesentlich breitere Auffächerung des Oppositionsspektrums gefaßt machen. Der Stein ist wenigstens schon einmal ins Rollen gekommen.


*     *     *

Wir verstehen nicht, warum mancher noch immer um den Schandmals-Punkt kreist. (Welcher sowieso nur mit Mühe mißzuverstehen ist, wie an der ganzen Rede nichts doppeldeutig ist, und alle Propaganda drumherum baut darauf auf, daß 95% die Rede eh nie im Internet zur Kontrolle nachhören oder -lesen werden.) Dieses Leckerli hat sich doch schon der Gegner geholt und kaut seit Wochen darauf herum.

Wir würden da doch lieber auf die Interpretation von Herrn Rogler zurückverweisen und außerdem, als eher praktischen Zugang zu den Vorgängen in der AFD, folgende Interpretation der Ereignisse vorschlagen:

Es gibt Parteien, die es ganz gut schaffen, ein breitgefächertes Band von Auffassungen innerhalb des ideologischen und tagespolitischen Zielkorridors der Partei zu integrieren. Die CSU zum Beispiel. Oder widerstrebende Flügel von Realos und Fundis, wie die Grünen, praktisch vom ersten Tag an. Traurig, daß man der AFD die Grünen als Beispiel vorhalten muß.

Es darf gern jemand analysieren, ob die Grünen (A) mit nur noch Realos, (B) mit nur noch Fundis oder (C) sowieso nicht besser als heute mit ihren prekären 7% dastünden. Aber egal wie prekär auch die Grünen sind, alle gegenwärtigen Bundestagsparteien machen ihre Politik. Das Wechselspiel von Realos und Fundis scheint funktioniert zu haben. Auf diese Weise prekär darf die AFD gern werden, wenn ihr Ziel erreicht ist.

Warum wohl hat der AFD-Vorstand nach der Rede vom 17. Januar nicht die Füße still gehalten, hat sich nicht mit ein paar dürren Worten hinter Höcke gestellt und den Shitstorm vorüberziehen lassen? Warum mußte eine Gruppierung innerhalb des Vorstands, nachdem die nach Höcke-Reden notorische Empörungswelle schon wieder abebbte, zum Parteiausschlußverfahren ansetzen? Etwa, weil die Mehrheit des AFD-Vorstands meinte, etwas ausbügeln zu müssen, um nette Leute nicht zu verschrecken? Leute, die die alte CDU wiederkriegen wollen, was heißt, die CDU vor der Ära Merkel? Oder die CDU, wo sie vor zwei Jahren stand, als sie 2011 und 2012 schon die Zukunft Deutschlands schon unterminiert hatte mit dem voluntaristischen Ausstieg aus der Kernenergie ("Energiewende"), EFSF ("Rettungsschirm"), Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht und ESM (noch mehr Rettungsschirm), aber zum letzten großen Schlag gerade erst ausholen wollte? Oder Wähler, die sich nur gegen die unkontrollierte Einwanderungspolitik der CDU stellen, am Rest aber nichts auszusetzen haben?

Wohl kaum war das der Grund für den Aktionismus. Vielmehr: Höcke hält der AFD den Spiegel vor, welche Art von Partei sie werden würde, ließe sie sich erst vom System aufsaugen und integrieren. Ganz dialektisch erkennt er, daß jede Partei früher oder später in Oligarchisierung und Erstarrung endet. Er will, daß das im Fall der AFD erst geschieht, wenn die Mission erfüllt ist. Für eine Alternative, die wir wählen werden, können wir weniger nicht wünschen.

Er benutzt dafür die Figur, es gäbe "keine Alternative im Etablierten". Gibt es daran Zweifel? (Natürlich werden zahllose Leute meinen, daß das Etablierte bunt und vielfältig ist und in seiner ganzen Alternativlosigkeit zahlreiche Optionen bereithält. Aber das ist ja hier ein geschlossenes Forum, und wer das hier glaubt, hat vermutlich das falsche Magazin erwischt.) Höcke verwendet die Begriffe "strukturelle" und "inhaltliche Fundamentalopposition". Erstere können wir nicht gebrauchen, denn die AFD muß ins Parlament. Letztere bedeutet, daß sie dort unkorrumpierbar bleiben soll. Oder was ist an den Worten "inhaltliche Fundamentalopposition" nicht zu verstehen?

Höcke weist sich damit, wie mit seinen anderen Reden auch, als "Fundi" aus. Kein überraschender Befund. Und nichts Ehrenrühriges ist daran. Fundis taugen wohl selten fürs große parlamentarische Geschäft, aber da will Höcke ja angeblich auch nicht hin. Fundis sind das Gewissen der Partei und könnten sogar ihr Blitzableiter sein. An den Fundis kann sich die politische Konkurrenz abarbeiten, die eigenen Realos können sich an ihnen etwas die Krallen wetzen. Sie sollten eigentlich froh sein, daß sie ihn haben.

Wie sehr Höcke auf dieser Hausveranstaltung der Jungen Alternative (Höcke ist ja kein Nestbeschmutzer - oder ekelt sich die AFD jetzt auch vor ihrer JA?) zwei Drittel des Vorstands getroffen haben muß und wie fraglich künftige inhaltliche Fundamentalopposition seitens der AFD ist, kann man genau jetzt erkennen - just an ihrem Verhalten im Fall dieser Rede.

Ja, Konservative, auch die libertäre Fraktion unter diesen, sind... eher vornehme Menschen. Jedenfalls die meisten von ihnen. Opposition zu sein liegt nicht gerade in ihrem Genom. Gegen herrschende Verhältnisse angehen widerstrebt ihnen eigentlich. Vermutlich deshalb klingt "Fundamentalopposition" in den Ohren vieler so schrecklich.

 


Normalniveau = null

Von Thomas Bez
21.02.2017 08:52 UTC neu
im Weblog TedescaNet

Artikel auf FAZ.NET: Jungsein wie im 19. Jahrhundert

Theresia Enzensberger fühlte sich von den Medien als junge und denkende Frau nicht ernst genommen. Also gründete sie ein eigenes Magazin. Sie finanziert es mit einem längst vergessenen Konzept.

 

Eine junge Verlegerin, der das intellektuelle Niveau deutscher Magazine nicht ausreicht? Das hat sogar uns als weißen ollen Normalo interessiert. Wir fanden das Block-Magazin, das sich dem Relevanz-Gehechel entzieht, im Internet. Lasen zuerst einen Artikel eines Schweizers über die Schweiz, die partout die Bilderbuchschweiz bleiben will und damit anstrengend für die Fremden dort und überall ist. Das war sehr hübsch und wir erwogen, das nächste Heft für 12 Euro zu subskribieren. - Aber dann ein Artikel von Ms oder Mr Leslie Allison, die oder der ihre oder seine wahre, genderqueere Liebe in Deutschland höchstens mit "es" bezeichnen könnte. (Als wenn es nicht für jede Art von Besonderheiten und Abartigkeiten inzwischen sprachliche Neuentwicklungen gäbe, die in den einschlägigen Milieus verstanden werden.) Das lesen wir doch überall. Welche Leute, denen das wichtig ist, kommen nicht mit Zeit, Spiegel und Bento aus? Unser Interesse war gleich wieder auf Normalniveau = null.

 


Wo Gefahr droht, wächst das Rettende auch

Von Thomas Bez
12.02.2017 15:19 UTC neu
im Weblog TedescaNet

Artikel auf FAZ.NET: „Das ist der Inbegriff von Ignoranz“

Vor der Fed-Cup-Partie wird die erste Strophe des Deutschlandliedes gesungen. Die Deutschen finden für die peinliche Panne deutliche Worte.

 

Auf Hawaii hat man wohl kein Verständnis für die Nöte der Deutschen mit sich selbst und ihrer Hymne. Keine Triggerwarnung, kein Safe Space für unsere sensiblen Sportler, die damit konfrontiert werden, daß das deutsche Volk "zu Schutz und Trutze brüderlich zusammenhält". Doch dann wird dagegen angesungen. Wir stellen uns das vor wie die Szene aus Casablanca: Die Deutschen provozieren da mit der Wacht am Rhein und die Franzosen halten mit der Marseillaise dagegen - und gewinnen schließlich dieses Scharmützel. Da bleibt kein Auge trocken, wenn Andrea Petkovic in der Rolle der braven Yvonne, selbst mit Tränen in den Augen, die dritte Strophe schmettert gegen Arroganz und Ignoranz.

 


Intellektuelle vs Trump

Von Thomas Bez
09.02.2017 19:48 UTC neu
im Weblog TedescaNet

Artikel auf FAZ.NET: Make intellect great again!

Amerikas Intellektuelle sind nicht schuld an Donald Trump, denn einen öffentlichen Diskurs hat es dort nie gegeben. Vielmehr steckt die Demokratie selbst in einer Krise.

 

Den Verstand wieder groß zu machen, jedenfalls in der öffentlichen Meinungsdebatte, ist eine Forderung, der wir uns unbedingt anschließen wollen.


By Gage Skidmore, CC BY-SA 3.0
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=41080831

Noam Chomsky, by Duncan Rawlinson
https://www.flickr.com/photos/thelastminute/97182354/in/set-72057594061270615/
CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1194102

Gibt es denn noch Intellektuelle diesseits des Atlantik? Ist dem Kommentator aufgefallen, daß alle Genannten außer Badiou schon tot sind? (Wir haben das mithilfe von Wikipedia verifiziert.) Gut, freilich gibt es noch Intellektuelle, aber die uns einfallen in Deutschland sind eher Konservative oder Neue Rechte (keiner davon jedenfalls links von Sloterdijk) und ganz gewiß nicht die, die dem Kommentator vorschweben, wenn sein Kriterium für einen Intellektuellen ist, daß dieser eine "politisch-moralische Instanz mit gesellschaftlicher Resonanz" ist. (Letzteres wohl ein anderer Ausdruck für geistigen oder geistlosen Mainstream, wo wir heute beim besten Willen niemanden erkennen können, der ein Intellektueller genannt zu werden verdient.)

Die Liste der Amerikaner, die der Kommentator in die Schublade "Intellektuelle" tut, sieht aber auch nicht aus, als wären ihm massenhaft Beispiele eingefallen. Und Chomsky, der links, sogar wahrhaft links und eines ganz gewiß nicht ist: Mainstream, und den wir schon seit unseren Studienzeiten vor 30 Jahren verehren und ohne Zögern einen wirklichen Intellektuellen nennen würden, ist auch kein guter Zeuge gegen Trump. Denn bei all seiner legitimen Ablehnung des neuen Präsidenten (die aber auch nur graduell größer zu sein scheint als seine Abneigung gegen Clinton) vertritt er eine sehr differenzierte Auffassung, welche Gründe zum Sieg Trumps geführt haben, und spricht die Hoffnung offen aus, daß der Weg zu neu geordneten Beziehungen zwischen Amerka und Rußland jetzt offen ist, die die Welt sicherer machen könnten. Und daß eine Emanzipation Europas (und wenn er Europa sagt, klingt es fast schon wie Abendland) von Amerika einen Abbau der Spannungen und in fernerer Zeit den Übergang zu einem eurasischen (sic! wie der russische Intellektuelle Dugin) Sicherheitssystem jenseits der Militärbündnisse zur Folge haben könnte. Süßer die Glocken nie klangen. Man genieße das Interview bei Truthout, wenige Tage nach der Wahl im letzten November. So viel Klarblick oder wenigstens Vision würde man sich von ein paar mehr wahren oder Möchtegern-Intellektuellen diesseits und jenseits des Atlantik sowie diesseits und jenseits des Styx wünschen.

 


Meinst du, die Russen wollen Krieg?

Von Thomas Bez
07.02.2017 22:32 UTC neu
im Weblog TedescaNet

Artikel auf FAZ.NET: Vor dem Grauen des Morgen

Ein herrliches Foto kursiert in russischen sozialen Medien: Zwei Ladys im Café, Leningrad 1941, einen Monat, bevor die Deutschen die Sowjetunion überfielen. Über den unsichtbaren Vorschein.

 


Jewgeni Jewtuschenko
by Cybersky - Own work, CC BY-SA 3.0
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7843853

Meinst du, die Russen wollen Krieg? - Jewgeni Jewtuschenko

Antwort von Gisbert Heimes:

Nein. Putin wollte mit seiner Rede im Jahr 2001 im Deutschen Bundestag (Youtube) ins Europäische Haus. Er hat den Antrag 2010 mit dem Angebot 'einer Wirtschaftszone von Lissabon bis Wladiwostok' wiederholt. Spätestens da schrillten in Washington die Alarmglocken, mit den bekannten Folgen Ukrainekrise, Krim-Sezession und Sanktionen.//PS: Liebe Redaktion, vielen Dank für den Artikel und das Foto. Insbesondere das Foto - obwohl Schwarz-Weiß - vermag vielleicht einen Hauch von Farbe in die grauen historischen Kenntnisse des einen oder anderen Russland-Phobikers zu bringen.

Unsere Erwiderung:

Herzlichen Dank, Herr Heimes. Genau so war unser Jewtuschenko-Zitat gemeint. Seit sich Stalin schon 1924 für die Doktrin des Sozialismus in einem Land entschied, verfolgt die eurasische Regionalmacht Sowjetunion bzw. Rußland (was immer sie auch ihren inneren vermeintlichen und wahren Gegnern antat und antut) eine reduzierte Hegemonialpolitik, die darauf ausgerichtet ist, den Fortbestand und die Integrität der eigenen multiethnischen Nation sicherstellen. Die Frage nach den Jahren 1945 bis 1989 in diesem Zusammenhang zu stellen, wäre naiv. Vor dem Hintergrund der Nato-Osterweiterung in den 2000er Jahren wird klar, daß der russischen Nation ohne ihre osteuropäische Domäne die Vernichtung in den 1950er Jahren geblüht hätte. Uns scheint, es sind gar eher die Leute aus dem Osten, die das am ehesten verstehen, obwohl sie noch den meisten Anlaß aus früheren Erfahrungen hätten, an hehren Absichten der Russen zu zweifeln.

 


Die Abnutzung der Worte

Von Thomas Bez
06.02.2017 18:40 UTC neu
im Weblog TedescaNet

Artikel auf Cicero: Versuchter Wortmord

In der Politik ist die Wortwahl entscheidend. Ein gutes Wort für eine gute Sache zu finden, darauf kommt es an. Schlechte Worte können hingegen töten, zum Beispiel eine gesunde Diskussionskultur. Das zeigt die Neuschöpfung „neurechts“.

 

Wer sich zur Neuen Rechten zählt, muß sich freimachen von jeder Scheu, Neuer Rechter auch genannt zu werden. Er darf sich nicht einmal scheuen, ein Nazi genannt zu werden. Dieses Wort wird zunehmend seiner Bedeutung entkleidet und hat in der öffentlichen Debatte seine Unterscheidungskraft verloren wie viele andere Worte auch, zum Beispiel "Haß" oder "Flüchtling". Ein Neuer Rechter kann in unserer Zeit, da die Sprache "linksliberal" okkupiert und das Meinungsklima "linksliberal" dominiert ist, per se kein Mitläufer sein. (In Anführungszeichen, weil das, was heute linksliberal genannt wird, selten liberal ist und meist nicht einmal links.) Es steht keine Lagerhaft auf Rechtssein, und Schweigen kann für ihn nicht infrage kommen, denn zu schweigen ist Sache der Mitläufer. Es gibt keine heimlichen Neurechten und Worte töten mitnichten. - Den Begriff Neue Rechte haben im übrigen nicht deren Gegner erfunden und die Nouvelle Droite gab es schon lange bevor George W. Bush Präsident war.

 


Parallelen

Von Thomas Bez
06.02.2017 07:52 UTC neu
im Weblog TedescaNet

Artikel auf FAZ.NET: Die Wut des Präsidenten

Wer kann Donald Trump Grenzen setzen? Anne Wills Gäste hoffen auf die amerikanische Justiz – und warnen vor dem wachsenden Einfluss des Trump-Beraters Steve Bannon.

 

Die Gesellschaft ist gespalten. Die demokratische Partei hat die Arbeiterschaft verloren und die republikanische ihre Tradition. Nicht anders in England, Holland, Frankreich oder bei uns.

Und wenn in Amerika McCarthy schuld wäre (was spaßig ist, bedenkt man, daß die Kulturrevolution der 60er zwischen McCarthy und unserer Zeit liegt), warum beginnt dann jetzt erst "die Renovierung drinnen"? Wer verspricht denn zu renovieren?

Die Worte bedeuten nicht mehr, was sie einst bedeuteten. Linksliberales Establishment (die was zu sagen haben) und Mainstream (die zur Zeit in den Großstädten demonstrieren) sind weder links noch liberal. Sie sind selbstbezogen und globalisierungsfanatisch und haben nach dem Vietnamkrieg alles mitgemacht: die Deregulierung der Reagan-Thatcher-Ära, die Clinton'sche Korruption, die globalen Kriege von Bush und Obama. Die neuen Freiheiten sind ihre Freiheiten, nicht die der hart arbeitenden Deplorables.

Was anderes kann man denn noch wünschen als eine neue Ordnung?

 


Karriere als freiberuflicher Aktivist

Von Thomas Bez
04.02.2017 10:08 UTC neu
im Weblog TedescaNet

Artikel auf Cicero: „Es war die Überheblichkeit, die uns scheitern ließ“

Antoinette Hage hat sich für die Remain-Kampagne in Großbritannien und für Hillary Clinton im US-Wahlkampf eingesetzt. Nach dem Brexit-Votum und dem Sieg Donald Trumps spricht sie von „fundamentalen Fehlern“, die in beiden Kampagnen gemacht worden seien. Antoinette Hage ist freiberufliche Aktivistin in London.

 

Sehr geehrte Frau Hage, ich bin freiberuflicher Ingenieur und würde mich gern verändern. Ich lese hier zum ersten Mal die Berufsbezeichnung "freiberuflicher Aktivist" und habe mit Interesse Ihr LinkedIn-Profil studiert. Solch eine Laufbahn könnte mich auch interessieren. Hätten Sie ein paar Tips für mich? (1.) Wie sind denn die Einkommensaussichten, also zum Beispiel das Band üblicher Tagessätze? (2.) Verhandelt man seine Konditionen direkt mit dem Auftraggeber oder werden Personalvermittler eingeschaltet? Welche Margen für die Vermittler sind üblich? (3.) Angesichts Ihrer Erfolgsquote im letzten Jahr gehe ich davon aus, daß in dieser Branche eher auf Basis von Dienst- und nicht von Werkverträgen gearbeitet wird. Ist das richtig? (4.) Gibt es gute Haftpflichtversicherungen, die auch bei grenzwertigen Einsätzen einspringen? (5.) Falls Sie z.B. in UK für einen Einsatz engagiert sind, dessen Ziel ist, die USA zu destabilisieren (also das Lieferland ein anderes ist), fällt in diesem Fall Umsatzsteuer an?