Weblog Tedesca

Sie sind als Nutzer SEARCHENGINE angemeldet.
Dieser Nutzer gehört zur Gruppe Gast und zur Gemeinschaft Gast

 

 

Seite 2


Thomas Bez


Privatier und Waldgänger in Mecklenburg

Freier Berater für Informationstechnologie, Telekommunikation und Unternehmensorganisation

Briard-Liebhaber und Züchter

Stationen:

Abitur an der Schule für Mathematik "Heinrich Hertz" in Berlin

Militärdienst

Studium von Mathematik und Computer Science an der Humboldt-Universität in Berlin

Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Akademie der Wissenschaften

Angestellt bei Siemens

Freier Unternehmensberater

Berlin, München, Leipzig, Riad, Paris, Frankfurt

 

 

»Nicht der Sitz allein, das ganze Land ist reizend und es ist gut da wohnen, wenn man von den Menschen kommt, wo sie ein wenig zu dicht an einander sind, und wenn man für die Kräfte seines Wesens Tätigkeit mitbringt. Zuweilen muß man auch einen Blick in sich selbst tun. Doch soll man nicht stetig mit sich allein auch in dem schönsten Lande sein, man muß zu Zeiten wieder zu seiner Gesellschaft zurückkehren, wäre es auch nur, um sich an manchen glänzenden Menschentrümmern, die aus unsrer Jugend noch übrig sind, zu erquicken, oder an manchem festen Turm von einem Menschen empor zu schauen, der sich gerettet hat. Nach solchen Zeiten geht das Landleben wieder wie lindes Öl in das geöffnete Gemüt. Man muß aber weit von der Stadt weg und von ihr unberührt sein. In der Stadt kommen die Veränderungen, welche die Künste und die Gewerbe bewirkt haben, zur Erscheinung, auf dem Lande die, welche naheliegendes Bedürfnis oder Einwirken der Naturgegenstände auf einander hervorgebracht haben. Beide vertragen sich nicht, und hat man das Erste hinter sich, so erscheint das Zweite fast wie ein Bleibendes, und dann ruht vor dem Sinne ein schönes Bestehendes und zeigt sich dem Nachdenken ein schönes Vergangenes, das sich in menschlichen Wandlungen und in Wandlungen von Naturdingen in eine Unendlichkeit zurückzieht.«

Adalbert Stifter, Der Nachsommer

 

Das Politische und das Vermischte hier nachfolgend im Weblog, unsere Hunde im Briard-Weblog.

 

Kontakt: bez@tedesca.net

 



Selbstverteidigung in der digitalen Welt

Von Thomas Bez
11.02.2020 07:48 neu
im Weblog Tedesca


Robert Delaunay, Rythme no 1, 1938
Quelle: Wikimedia Commons, Public Domain

Die Digitalisierung hat uns in den letzten zwanzig Jahren die Chance gegeben, vom Zielobjekt fremdgesteuerter Kommunikation und Publikation durch einige Wenige zum Subjekt unabhängiger Meinungsäußerung und Veröffentlichung zu werden. Andererseits überrollt uns die Digitalisierung. Sie droht uns in weiten Lebensbereichen vom Subjekt zum Objekt fremder Verfügbarkeit zu machen, uns damit von der Freiheit spätindustrieller Zeiten sozial in die Vormoderne zurückzukatapultieren. Das ist einer ihrer dialektischen Aspekte. Ein anderer ist, daß sie uns hinsichtlich Wissen und Anwesenheit in Windeseile von A nach B zu bringen vermag, unser aller Leben in den letzten zwanzig Jahren dadurch aber nicht gerade besser geworden ist. So vieles dank ihrer so billig geworden ist und dennoch das Leben nie so teuer war wie heute. Daß vieles dank ihrer so einfach geworden ist, aber wir sind ihr weder technisch noch seelisch gewachsen.

Und schließlich, was uns zur Zeit besonders beschäftigt: Der Raum für freie Rede wird wieder enger, nicht gegen Digitalisierung als Werkzeug der Befreiung, sondern durch Digitalisierung als Werkzeug der Beherrschung. Wer die Ausbreitung von Facebook, Twitter und all diese Plattformen und sozialen Medien als Demokratisierung, als Weg zu mehr Teilhabe an der öffentlichen Kommunikation empfunden hat, muß jetzt feststellen, daß die Schraube zurückgedreht wird. Wir wollen Ihnen Denkanstöße geben, wie Sie von Ihrer Freiheit in der digitalen Welt, besonders natürlich im Internet, noch ein wenig bewahren können. Das mag einen Zeitraum der nächsten fünf Jahre umfassen, die längerfrisigen technischen Entwicklungen sind kaum abzusehen, genausowenig die verbleibenden politischen und gesellschaftlichen Freiheitsgrade.

Wir werden hier erläutern:

1. wie wir als Person oder unabhängige Organisation in Alternative zu den fremdbestimmten Plattformen unsere Außen- und Innenkommunikation (wieder) in die eigenen Hände bekommen,

( Der Internetauftritt – Datensicherung – E-Mails – Messaging – Verschlüsselung )

2. wie wir unsere Daten und Kommunikationsmittel vor dem Zugriff der mehr oder weniger freien Wirtschaft und des Staates, vor unseren Feinden oder wer auch immer etwas von uns haben will schützen kann,

( Bewegen im Internet – Betriebssysteme – Mobiltelephone – Dienste aus der Cloud – Smart Home – Das Intranet absichern – Paßworte )

3. wie wir unsere Einstellung zur technischen Postmoderne gestalten müssen, um nicht den informationstechnischen Umwälzungen der nächsten Jahre unvorbereitet und schutzlos ausgeliefert zu sein.

( Biometrie – Auto und Verkehr – Intelligente Netze – Der digitale Fußabdruck – Das Internet der Dinge – Künstliche Intelligenz – Dystopien und die eigene Lebensfrist )

Es darf sich einer nur für frei erklären, so fühlt er sich den Augenblick als bedingt. Wagt er es sich für bedingt zu erklären, so fühlt er sich frei.
(Goethe, Maximen und Reflexionen, 44)

Wer Fragen, Hinweise oder Anregungen zu diesem Text hat, kann sich gern an uns wenden: bez@tedesca.net

ganzen Artikel lesen

 


Dreimal 30 Jahre

Von Thomas Bez
12.04.2019 09:20 neu
(mit 1 Kommentar)
im Weblog Tedesca


Hieronymus Bosch, Der Garten der Lüste, Ausschnitt
Quelle: Wikimedia Commons, Public Domain

Die Zahl 30 ist ein Mythos. 30 Jahre nennt man ein Menschenalter, die Frist ist lang genug, um für sich genommen ein ganzes Leben zu sein. Das Leben währet aber siebzig Jahre und wenn es hochkommt, sind es inzwischen sogar neunzig Jahre. Wer auf sich achtet, kann den Turnus bis zu dreimal in seinem Leben durchlaufen, und wer im Geiste jung geblieben ist, kann aus jedem 30sten Jahr einen Paradigmenwechsel machen. Die 30 ist eine Zahl wahrhaft nach menschlichem Maß.

Das erste 30-jährige Trimester unseres Lebens lebten wir rechts von einer Mauer in einem kleinen, albernen, ernsthaften Land und bereiteten uns auf das vor, was wir von der Welt erwarten konnten. Das kam in jenem zweiten Drittel unseres Lebens, das uns ordentlich in der Welt herumführte. So lange, bis wir nach weiteren knapp 30 Jahren die nötigen Mittel uns erarbeitet hatten, aus unserem Überdruß an der erschlafften globalisierten Welt die Konsequenz zogen, allen Gewerbefleiß von uns warfen und uns ins Privatleben zurückzogen.

Kürzlich fand die diesjährige Münchner Sicherheitskonferenz statt, und diesmal war die Stimmung anders als in all den Jahren zuvor. Diesmal störte nicht nur der russiche Außenseiter mit einer Ansage. Zu unserer Überraschung hörten wir bittere Worte des Veranstalters, daß auf der internationalen Bühne nicht mehr wie gewohnt miteinander gesprochen wird. Sozusagen das vormals übliche Protokoll der Feindseligkeit durch eine unprotokollarische Feindseligkeit abgelöst wurde. Die globale Sicherheit sei heute so gefährdet wie seit 30 Jahren nicht mehr. Was wir schon länger wissen konnten, haben wir nun sozusagen amtlich: Die Welt ist aus den Fugen.

Wir haben das Jahr 2019 und Mitte des Jahres wird wieder das große Plappern und Schulterklopfen derer anheben, die von der Nachverwertung der Revolution vor 30 Jahren leben, an der sie keinen Anteil hatten. Und da wir schon wieder den einen oder anderen Afterwissenschaftler hören, der sich ein Zubrot mit einem Referat über die Mauer in den Köpfen verdient, wollen wir ein wenig über eine neue reale Mauer spekulieren, deren Errichtung noch vor Frist der nächsten 30 Jahre Europa erneut teilen sollte. Es gibt nichts zu feiern und wir werden hier erläutern, warum.

ganzen Artikel lesen

 


Mission bald erfüllt

Von Thomas Bez
23.11.2018 17:40 neu
(mit 1 Kommentar)
im Weblog Tedesca


By Noborder Network - Flickr: rescue operation (off the canaries), CC BY 2.0
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14476

Glaubt jemand, unsere Machthaberin wäre noch davon abzuhalten, den Vertrag zu unterschreiben, der bald alle Schleusen für mißliebige Einwanderer öffnen wird? Dahinter stehen Interessen der wirtschaftlichen und politischen Globalisierung, denen nicht mit Petitionen beizukommen ist. Ihre Mission wird in wenigen Tagen erfüllt sein. Es ist wie das letzte Türenschlagen ihres Abtritts. Ein Türenschlagen, das man auch in hundert Jahren noch hören wird.

Ihr ist mit etlichen, nur scheinbar einsamen Entscheidungen die dritte Zerstörung unseres Landes binnen eines runden Jahrhunderts gelungen. Diese ist noch nicht so augenfällig wie die beiden zuvor, dafür aber nachhaltiger. Was den Schaden betrifft, den sie Deutschland und Europa zugefügt hat, steht sie nur hinter einem Kanzler vor ihr zurück.

Das System, dem sie, selbst Fremdling, der sie ist, sich andiente, dem sie diente und das sie weitergewoben hat, bleibt uns erhalten. Die nächste Generation der Vollstrecker wird gerade in ihren Plätzen eingewiesen. Für ein Trump-Ereignis geht es dem Volk noch viel zu gut, und bis es einmal so weit sein könnte, wird es zu einem entscheidenden Teil ersetzt sein.

Biographen pflegen sich viele Dekaden lang an Spekulationen abzuarbeiten, was den einen oder anderen Potentaten möglich gemacht hat, was ihn persönlich angetrieben haben mag und in seinem zerstörerischen Tun so erfolgreich machte und wie es sein konnte, daß sich ihm so viele ergaben. Man darf gespannt sein, welche Kontinuitäten sie noch aufdecken mögen.

 

Kommentar von Thomas Bez am 23.06.2019 07:40:

Vielleicht ist ihre Mission ja doch noch nicht erfüllt. Die Stelle des Kommissionspräsidenten der europäischen Union ist neu zu besetzen. Wir hoffen inständig, daß sie sie bekommt. Wenn sie ihr Zerstörungswerk in der europäischen Union fortsetzte, würde uns das zur Abwechslung einmal wirklich freuen.

 


Und wieder zeigt Köln, wohin die Reise geht

Von Thomas Bez
30.09.2018 09:36 neu
im Weblog Tedesca

FAZ.NET am 29.9.2018: Erdogan in Köln

Der türkische Präsident weiht am Nachmittag die Ditib-Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld ein. Am Mittag füllt sich die Stadt mit seinen jubelnden Anhängern.

Integration versus Assimilation


"Erdogan gesturing Rabia" - This work has been released
into the public domain by its author, R4BIA.com
https://commons.wikimedia.org/
wiki/File:Erdogan_gesturing_Rabia.jpg

Ein Meer roter Fahnen und weißer und blauer Kopftücher sehen wir in der FAZ.

Was da gerade auf unserem Boden dem islamischen Diktator zujubelt, sind die fein integrierten Nachkommen und Sippenmitglieder jener Fachkräfte, die wir uns seit den 1960er Jahren, also vor nunmehr 50 Jahren, ins Land geholt haben. Vermutlich die meisten von ihnen können beanspruchen, Deutsche genannt zu werden. Für den fremden Diktator sind seine Landsleute in der Diaspora nichts anderes als Saat, die aufgehen, sich mehren und sein und seines Gottes Imperium vergrößern möge. Die Bilder und die Zahlen der Teilnehmer von Kundgebung und Gegenkundgebung legen nahe, daß diese seine Landsleute nichts anderes beabsichtigen als ihm damit zu dienen. Jetzt sind sie halt da.

Wobei wir keinen Anlaß haben, uns über den ausländischen Diktator zu mokieren. Er tut genau das, was seine Aufgabe ist: seiner Nation und seiner Staatsreligion dienen (wie wir das von unseren Machthabern auch gelegentlich erwarten würden). Die, die ihn bejubeln nach Jahrzehnten und Generationen in diesem Land, sind mutmaßlich in der Mehrheit unter ihren Landsleuten und beweisen, daß Integration das Gegenteil von Assimilation ist. Integration ist die Unterwerfung der aufnehmenden Zivilisation unter die Interessen und Ansprüche der eindringenden Kulturen, Rassen und Ethnien, in heutigem Sprachgebrauch das Willkommen der schon länger hier Lebenden für Geflüchtete, mit denen sie schon heute die Regeln des Zusammenlebens täglich neu aushandeln sollen. Wenig überraschend spielen Rasse, Religion und Herkunftskultur bei Personen, die Willens und in der Lage waren, sich zu assimilieren, keine Rolle mehr, denn sie erlangen durch ihr Bekenntnis Volkszugehörigkeit.

Zu relativieren ist, daß "wir" sie geholt hätten. Die damalige Unterwanderung war noch eine Angelegenheit von Westdeutschland, das den Siegermächten gehorchte und dessen Industrie gern billige Fremdarbeiter wollte. Auf das Konto der ostdeutsch sozialisierten Machthaberin gehen nun neue Fachkräfte, die in weiteren 30 oder 50 Jahren genauso gut integrierte Nachkommen hervorgebracht haben werden, welche dann ebenfalls alle deutsche Staatsbürger sein werden und die Fünfte Kolonne noch viel finstererer Usurpatoren hier in unserem nimmermehr wiederzuerkennenden Land. Es werden sich über die kommenden Jahrzehnte neue Mehrheiten formieren, aber je nach Tiefe des Falls in die Dekadenz eines absterbenden Nationalvolkes reichen auch antizipierte eigene Inferiorität und gefühlte Virilität dominierender Fremdvölker zur willigen Unterwerfung aus.

In Köln soll die Bürgermeisterin, die zu anderem Anlaß einmal Armeslänge empfahl, wieder klare Worte gefunden haben. Sie klagt über mangelnden Respekt für sie, ihr Amt, die Kölner allgemein. Von weiteren klaren Worten ist nichts überliefert. Der Sieger respektiert aber niemanden und nichts außer seinem Clan, seinem Stamm und seiner Religion. Man darf schon einmal üben, den Arm zum Rabia-Gruß hochzureißen, das wird noch gebraucht werden, denn der Islamismus gehört zu Deutschland.

Freilich: Fernab von allen Brennpunkten wie Berlin, Köln, Frankfurt, Chemnitz müssen wir in den Tiefen unserer mecklenburgischen Provinz eigentlich keine Notiz von solchen Geschehnissen nehmen. Hier ist was viele Städter neuerdings gern als zu unserem Land gehörend sehen wollen schlichtweg nicht existent. Die Leute sprechen deutsch und denken gesund. Das Land ist hier noch unser, im nahe gelegenen Garnisonsort ist das nicht anders, und die Residenzstadt ist fern.

Und dreißig Jahre sind ohnehin unsere anzunehmende Restlaufzeit, was dann kommt, geht uns selbst nichts mehr an. Uns will scheinen, es gab nie ein komfortableres Leben auf Erden als dieses gerade hier und heute. Wir tanzen auf dem Vulkan. So viel wird morgen anders sein.

 


Lärm um Chemnitz, Stille um Köthen

Von Thomas Bez
10.09.2018 18:04 neu
im Weblog Tedesca

Kommentar zu einem Beitrag von Martin Lichtmesz in Sezession

Es ist merkwürdig still um Köthen in der Systempresse. Da skandieren angeblich 500 von 2.500 Demonstranten "Nationaler Sozialismus jetzt!", was ganz schön laut gewesen sein müßte, und darüber schreibt gerade mal die FAZ einen moderaten Artikel. Da hieß die Demonstration auf einmal doch Trauermarsch, und an seinem Rande wären zunächst keine Ausschreitungen oder Gewaltszenen bekannt geworden. Das freut Uns sehr und zu Unserer Überraschung anscheinend auch die FAZ, denn sie meldet, daß Blumen und Kerzen niedergelegt wurden.

Beim Spiegel kann man sich an Maaßen abarbeiten und ist froh, über einen liebsamen (Sagt man so? Wir meinen einen nicht ganz unliebsamen.) neuen Bürgermeister in Sachsen berichten zu können. Die Zeit schreibt von Neonazis, unterschlägt aber die Parolen. Und so weiter durch die Presselandschaft. Am ausführlichsten berichtet ausgerechnet die NZZ. Die meldet sogar, daß ein Redner das Wort Rassenkrieg benutzt habe. Ach ja, TAZ und Huffington Post auch.

Eigentlich müßten alle unisono aufgekreischt haben. Was ist der Grund für diese gespenstische Zurückhaltung? Ist es die nackte Angst des Apparats, daß jedes bißchen weitere Konfrontation demnächst einen Ausbruch befeuern könnte? Stehen wir dichter vor Aufständen als bisher geahnt? Jedem Falken und sogar jedem Trottel ist wohl bewußt, daß ein Staat nicht als derselbe aus einem (wenn auch nur lokalen) Ausnahmezustand herauskommt, als der er hineingeschliddert ist.

Wie fein die Medien gleichgeschaltet sind, wundert Uns freilich nicht, aber dies ist ein hübsches Exempel. Haben Presse, Funk und Fernsehen in ihrer Liebedienerei, ihrer etwas außer Kontrolle geratenen Schreiberei und Rederei über Chemnitz, etwas zu viel des Guten getan? Ihre Norm zu sehr übererfüllt? Führt zu dem Spin der Berichterstattung über Köthen vielleicht weniger die aufkeimende Angst des Apparats vor Unruhen, sondern eher der Wunsch, vor den anstehenden Wahlen wieder etwas bleierne Schwere zu schaffen? Dann können wir zumindest hoffen, daß der Ton des offiziell geführten Teils der Debatte sich auch im weiteren für die nächste Zeit wieder etwas mehr versachlicht.

Was natürlich nicht heißt, daß wir nicht erst recht Tacheles reden müssen.

Das Hoffnungslose des Zustands, in dem wir alle uns hier und heute befinden, zeigt sich jeden Morgen, wo eine der ersten Unserer Handlungen ist nach dem Tablet zu greifen und schnell drei, vier Nachrichtenseiten durchzusehen, ob es schon wieder irgendwo einen Messermord gegeben hat und ob ein Krieg Amerikas mit Rußland womöglich unmittelbar bevorsteht.

 


Die Identitäre Bewegung verliert ihre Kampagnenfähigkeit

Von Thomas Bez
04.08.2018 07:08 neu
(mit 1 Kommentar)
im Weblog Tedesca

Eine Zeitlang haben wir die Identitäre Bewegung durch unsere Fördermitgliedschaft unterstützt.

Wir glauben nach wie vor an die Identitäre Bewegung und ihre Ziele und halten ihre Methode des gewaltfreien Kampfes für eines der besten Konzepte, die von der Neuen Rechten ausgearbeitet wurden. Wir halten ihre Vorgehensweise nach wie vor für hervorragend geeignet, die politischen Treueverhältnisse unter den Völkern der mittel- und westeuropäischen Länder zu einem neuen Gleichgewicht zu verschieben. Die Aktion Defend Europe hat uns sehr beeindruckt, war außerordentlich professionell gemacht und sie hat dem Widerstand gegen die durch den Kulturfeind in unserem Innern forcierte Einwanderung den richtigen Spin gegeben.


By Quelle: Reutersdpa/jm, CC BY-SA 4.0
https://www.welt.de/politik/deutschland/article157876725/Identitaere-Bewegung-klettert-auf-das-Brandenburger-Tor.html
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=74314258

Wir sind aber nicht sicher, ob die Identitären selbst noch an sich glauben. Sehr zu bedauern ist, daß die Kräfte der Bewegung durch die Gegenoffensive der Staatsapparate und ihrer willigen Helfer in der Wirtschaft in den letzten Monaten gebunden waren. Das Scharmützel gegen die Willkür der sogenannten freien Wirtschaft, das Vorführen Englands als Hort der Unfreiheit und der Zwischensieg gegen die österreichische Justiz, zum Beispiel, haben gewiß viel Kraft und Mittel gekostet, entwickeln aber nicht die Bildmächtigkeit, die nötig ist, um die Masse des Volkes zu erreichen.

Uns selbst ist das Elitäre der IB sympathisch, aber für das Volk sind die Aktivitäten, die Defend Europe nachfolgten, zu wenig "Straße". Es würdigt den, der Handlungsmacht demonstriert (wie auf dem Brandenburger Tor oder dem Mittelmeer), nicht den, der nur recht hat (wie in englischer Abschiebehaft). Das ist die Grenze, die der Metapolitik, wie wir sie seit 70 Jahren oder so betreiben oder betrieben sehen, leider gesetzt ist. Geredet und geschrieben wird schon genug. Die Bedeutung der Identitären Bewegung steht und fällt mit ihrer Kampagnenfähigkeit.

Wir wollen nicht undankbar sein. Daß das Geschäftsmodell der ganzen Privatorganisationen, die auf dem Mittelmeer jahrelang Schleusertätigkeiten verrichtet haben, jetzt zusammengebrochen ist, verdanken wir primär einer Hoffnung machenden neuen Regierung in Italien. Zu einem guten Teil aber eben auch den Identitären, die einen Bewußtseinswandel innerhalb der Völker befeuert haben. Defend Europe war eine geschichtliche Leistung. Wir beklagen die Marginalisierung der Identitären Bewegung.

 

Kommentar von Thomas Bez am 26.10.2018 07:03:

Ein neuerer Artikel Martin Sellners hier auf Sezession läßt uns Resignation fühlen, die wir ihm nicht verdenken können. Und dennoch finden wir es jammerschade, wenn der intellektuelle Teil des Kaders sich jetzt in die Metapolitik zurückzieht, welche gewiß auch verdienstvoll ist, aber über Jahrzehnte und Aberjahrzehnte nichts bewegt hat als andere Intellektuelle.

Freilich, mehr tun wir auch nicht. Ziehen uns auf unsere "Rote Schanze" zurück, malen uns ein W auf die Mauer oder ins Weblog und bilden uns ein, wir pflegten etwas monastischen Geist. Wissend, daß das, was wir da tun oder unterlassen, viel zu wenig ist.

 


Kein Echo

Von Thomas Bez
25.04.2018 17:02 neu
im Weblog Tedesca

Anläßlich des Beitrags Kollegah vs. Campino: Kulturkampf oder Ablösung? auf Sezession

Noch vor wenigen Tagen hätten wir einem Interviewer nicht einmal beantworten können, was der Echo denn sei. "Der Echo", hätten wir vielleicht gesagt, das klingt nach einem Preis, so wie "der Oskar", wobei "der Echo" den Preischarakter des Echo deutlicher betont, weil es sonst "das Echo" hätte heißen müssen.

Wir vermuten nun nicht nur mehr, daß "der Echo" ein Preis war, wir wissen es sogar. Aber da war er schon abgeschafft. Durcheinandergewirbelt in einem Shitstorm, zugrundegeschrieben von allen Medien, zurückgegebenen von allen unterbelichteten früheren Empfängern (darunter auch einige, deren Unterbelichtetsein uns bislang entgangen war), eingestellt von seinen Auslobern. Eine absterbende Gesellschaft in einem untergehenden Staat schleift eine weitere ihrer kulturellen (so hört man) Institutionen. Denn er hat "Auschwitz" gesagt.

Mehr nicht, mehr war auch gar nicht nötig. Von Juden soll nicht die Rede gewesen sein. Aber egal. Schon das Wort "Auschwitz" allein ist in der neueren deutschen Geschichte immer ein schöner Auslöser der Fremd- und Selbstabschaffung. Ein bißchen Rap, echtes deutsches Kulturgut, wie alle wissen (auch wenn wir selbst von Rap wenig verstehen), das Wort "Auschwitz", und weg ist er, der Echo. Na sowas. Das war ja mal ein echter Rap, ein Meta-Rap, sozusagen.

Wer ist jetzt borniert – wir oder diejenigen, die sein, des Echo, Verschwinden je nach ideologischer Ausrichtung mit Bedauern oder Genugtuung beobachten?

Fand überhaupt eine Beschimpfung statt? Und falls ja, wer eigentlich war der Beschimpfte in einer undurchsichtigen Textzeile eines unverständlichen Liedes? Und gehen uns der Beschimpfende oder der womöglich, mutmaßlich Beschimpfte irgendetwas an?

Wird jemand eines Tages zu passender Gelegenheit das passende Triggerwort über Deutschland sagen? Womöglich gar irgendein Beutedeutscher? Ein so kräftiges Wort zu so passender Gelegenheit, daß das gesamte indigene und sonstige Staatsvolk oder zumindest eine signifikante Mehrheit von SPD bis AFD wie aus einer Kehle ruft: "Deutschland, du mieses Stück Scheiße, du gehörst ja tatsächlich abgeschafft, hinweg mit dir!" – Wird dann Deutschland kurzerhand geschlossen, eingestellt oder aufgelöst? (Ja, wie benennt man diesen Vorgang?) Wird das uns dann genau so wurst sein wie jetzt die Abschaffung des Echo? (Immerhin wissen wir, was Deutschland einmal war, im Gegensatz zum Echo, von dem wir bislang nichts wußten.)

Wird ein Dichter, vielleicht einer wie Botho Strauß, eine Farce schreiben des Titels "Deutschland. Ein Verdämmern", die dann auf norwegischen und albanischen Staatstheaterbühnen aufgeführt wird? Werden wir davon Kenntnis nehmen und welches Medium wird übrig geblieben sein, diese Kenntnis zu uns zu tragen in unser mecklenburgisches Exil?

Wir fühlen uns in dieser Causa irgendwie unpolarisiert, zumindest stark unterpolarisiert. Benn kam uns wieder einmal in den Sinn: "Die Clique, die klatscht, ist das gleiche Kaliber wie die Clique, die pfeift, die einen sind von rechts dumm, die andern sind von links dumm." Wir werden es wohl dabei bewenden lassen und sehen alles rein phänomenal.

 


Kontokündigung

Von Thomas Bez
14.04.2018 06:35 neu
im Weblog Tedesca

Das Institut für Staatspolitik, ihm angeschlossen die Zeitschrift Sezession, unsere Lieblingspublikation der Neuen Rechten, meldet, daß ihm von der Postbank das Konto gekündigt wurde. Eine üblich gewordene Repressionsmaßnahme gegen Andersdenkende in unserem freiheitlichen System. Ob natürliche oder juristische Person – die Existenz steht auf dem Spiel, wenn man kein Konto mehr führen kann. Stellen Sie sich mal vor, man entzieht Ihnen das Bankkonto, weil Sie unliebsame Dinge äußern. Miete zahlen wird schwierig, das Gehalt können Sie im Köfferchen abholen (wenn Sie noch lange Gehalt kriegen), Schluß mit Paypal und Amazon, die Kreditkarte haben Sie auch nicht mehr lange. Dann gehts ans Eingemachte und danach wird Hartz Vier bar abgeholt.

Es muß (meist) nicht um das nackte Leben fürchten, wer andere Meinungen vertritt als der Mainstream. Aber fast alles sonst kann uns passieren. Die Drohung hängt über uns, daß wir Arbeit oder Aufträge verlieren, daß wir verleumdet und denunziert werden, daß wir in den sogenannten sozialen Netzwerken gesperrt werden, daß uns Bankkonten oder Versicherungen gekündigt werden und wir keinen Zugang zu Ersatz erhalten. Das alles selbstverständlich im Rahmen des geltenden Rechts, der Vertrags- und Meinungsfreiheit. Wir dürfen sagen, was wir wollen (nun, das meiste, na, jedenfalls einiges) und das Syndikat unserer Gegner darf uns dafür vernichten.

Die Drohung hängt auch über uns, daß wir mit falschen oder wahren Anschuldigungen erpreßt werden, daß uns der Zugang zu Haus und Hof blockiert wird, daß uns Auto oder Haus angezündet werden. Das ist zwar nicht ganz im Rahmen des geltenden Rechts, aber wie sollten die Organe dem Recht Geltung verschaffen, wenn sie keines Täters habhaft werden?

Wer etwas zu verlieren hat (Menschen oder Dinge, die ihm lieb sind, eine bürgerliche Existenz), läßt dies besser im Verborgenen blühen und verhält sich still. Das war unter Honecker und Ulbricht so, unter Stalin, unter dem Unaussprechlichen...

Wir nennen es Terror.

Wir werden unseren Banken schreiben, daß sie in unserer Achtung stiegen, sollten sie dem IfS ein Konto eröffnen. Wir möchten unseren Freunden anheimstellen, bei ihren Banken das gleiche zu tun. Nicht daß wir glaubten, dies könne viel bewirken. Welche Bank will schon das Syndikat verärgern. Aber vielleicht doch. Es kostet nur fünf Minuten für einen Brief und etwas Porto, und sogar wer noch im Berufsleben steht, kann sich so viel Unterstützung für einen konservativen Thinktank erlauben.

 


Der Faschismus, noch immer in seiner Epoche

Von Thomas Bez
29.03.2018 19:59 neu
(mit 1 Kommentar)
im Weblog Tedesca

Dogville, wieder gesehen nach 15 Jahren

Vor 15 Jahren erschien Lars von Triers Film Dogville. Seine Darstellungsmittel erschienen avantagardistisch, viele mögen geglaubt haben, der Film sei auf ihrer Seite, also sozusagen irgendwie links. Den Ort Dogville ausgelöscht hat schließlich auch nur eine finstere Verbrecherclique, da war alles klar im Raster von gut und böse und man mußte nicht genau hinhören. Den wuchtigen Schlußdialog wollte wohl niemand zur Kenntnis nehmen:

Grace: Ich schwinge mich nicht zum Richter über andere auf.

Vater: Du schwingst dich nicht zum Richter auf, weil du mit ihnen sympathisierst. Sowas wie eine zerrüttete Kindheit, und in der Folge davon ist ein Mord nicht unbedingt ein Mord – richtig? Du machst allein die Umstände für alles verantwortlich. Vergewaltiger und Mörder mögen gemäß deiner Auffassung Opfer sein, doch ich nenne sie Hunde. Und wenn sie ihr eigenes Erbrochenes auflecken, kann man sie nur mit der Peitsche davon abhalten.

Grace: Aber Hunde gehorchen nur ihrer eigenen Natur, warum sollten wir ihnen nicht vergeben?

Vater: Hunden kann man viel Nützliches beibringen, aber nicht, wenn wir ihnen jedes Mal vergeben, wenn sie ihrer eigenen Natur gehorchen.

Grace: Also bin ich arrogant, weil ich anderen Menschen vergebe?

Vater: Wie herablassend du bist, wenn du das sagst. Du gehst von diesem Vorurteil aus, daß niemand einen dermaßen hohen moralischen Anspruch an sich stellt wie du. Also entlastest du sie. Du vergibst anderen mit Entschuldigungen, die du nie und nimmer für dich selbst geltend machen würdest.

Grace: Warum sollte ich nicht barmherzig sein?

Vater: Nein, du solltest barmherzig sein, wenn Barmherzigkeit angebracht ist. Aber bleib dabei deinen Ansprüchen treu. Das schuldest du ihnen. Die Strafe, die du verdienst für all deine Vergehen, verdienen auch sie für all ihre Vergehen.

Grace: Sie sind menschliche Wesen.

Vater: Muß sich jeder Mensch für seine Taten rechtfertigen? Natürlich muß er das. Doch du läßt ihnen nicht einmal die Chance dazu.

Grace: Die Menschen, die hier leben, tun ihr Bestes unter sehr harten Bedingungen.

Vater: Wenn du das sagst, Grace... Aber ist ihr Bestes wirklich gut genug?

Erzähler: Grace sah all die verängstigten Gesichter hinter den Fensterscheiben und schämte sich dafür, daß sie diese Angst mit verursachte. Wie konnte sie sie jemals hassen für etwas, was im Grunde lediglich Schwäche war? Hätte sie nicht das gleiche getan wie all diese Leute in ihren Häusern? — Grace hielt inne, und währenddessen zerstoben die Wolken und das Mondlicht zeigte sich. Und Dogville machte wieder eine jener kleinen Lichtveränderungen durch. Es war so, als wenn das Licht, zuvor barmherzig und schwach, sich weigerte, die Stadt noch länger zu schützen. Das Licht drang jetzt in alle Unebenmäßigkeiten und Makel an den Gebäuden. Und an den Menschen. Und mit einem Mal kannte sie die Antwort auf ihre Frage nur allzu gut. Hätte sie selbst so gehandelt, wie die Menschen hier – nicht eine einzige ihrer Taten hätte sie verteidigen können und nicht streng genug verurteilen. Nein, was sie getan hatten war nicht gut genug. Und wer die Macht besaß, dies richtig zu stellen, hatte die Pflicht, es auch zu tun. Um anderer Städte willen, um der Menschheit willen, und nicht zuletzt auch um des Menschen willen, der Grace selbst war.

Grace: Ich könnte teilhaben daran, Probleme zu lösen, so wie das Problem von Dogville.

Vater: Wir könnten anfangen, indem wir einem Hund erschießen und ihn an die Wand nageln. Das hilft manchmal.

Grace: Nein, nein. Das würde die Stadt nur noch mehr verängstigen, aber nicht zu einem besseren Ort machen. Und es könnte wieder geschehen, falls zufällig dort jemand vorbeikommt und enthüllt, wie verletzlich sie sind. Diese Welt soll durch mich ein kleines bißchen besser werden. Wenn es eine Stadt gibt, ohne die die Welt besser dran wäre, dann diese hier.

Die Provinzler, heißt es in Dogville, können nicht "annehmen". Insbesondere nicht das Geschenk, als das eine Fremde sich darbietet, die nur eben nichts beitragen kann, um das prekäre Leben der Gemeinschaft leichter zu machen, da sie noch nie in ihrem Leben gearbeitet hat, die für den Ort ein Risiko darstellt, da sie von ihrem Clan und der Polizei gejagt wird, und die außerdem nervt, weil sie so hochnäsig wie ahnungslos daherkommt. Die Gemeinschaft reagiert auf den Zuzug der Fremden erst verstört, agiert dann unverschämt, niederträchtig, entwickelt sich schließlich gewalttätig vom Objekt zum Subjekt des Handelns und wird endlich durch den intellektuell und kulturell höherstehenden Protagonisten ausgelöscht, um die Welt dadurch besser zu machen.


Lars von Trier
by Georges Biard, CC BY-SA 3.0
https://commons.wikimedia.org/
w/index.php?curid=15975498

Das ist wohlgemerkt keine Auseinandersetzung zwischen indigenem Volk und eingewanderten Fremden aus einem anderen Kulturkreis. Dieses Thema haben wir kürzlich erst mit einem anderen Film behandelt. Hier stoßen zwei Parteien aufeinander, die demselben Kulturkreis, vermutlich derselben Religion, demselben Volk, derselben Gesellschaft angehören, sich nur in ihrer Klassenzugehörigkeit unterscheiden. (Religionszugehörigkeit ist so eindeutig kein Thema in diesem Film, daß wir nicht einmal zu einer Meinung kommen können, ob von Trier mit der Besetzung des Gangstervaters mit James Caan absichtlich oder versehentlich eine falsche Spur gelegt hat.)

Die Bewohner des Provinznestes sind freilich wahrhaft unausstehlich. Einfaltspinsel, Lügner, Belästiger und Vergewaltiger. Graces Fazit, daß die Welt ohne diesen Ort besser dran wäre, ist für den Zuschauer nicht schwer nachzuvollziehen. Zumindest wurde dem Film im Jahre 2003, soweit wir wissen, dieses Fazit von keinem angekreidet, was schon erstaunlich ist, da doch die westliche Elite so sensibel für alle Schwingungen des Faschismus zu sein glaubt. Die Dramaturgie des Filmes ist darauf angelegt, beim Zuschauer Verständnis für Graces Entscheidung zu erheischen, und er entläßt uns mit dem Gefühl der Genugtuung. Man könnte es auch so sagen: Der Film empfiehlt in einer solchen Konstellation Auslöschung des Niedern durch das Höhere. Der Film ist mithin protofaschistisch.

Damals waren die meisten wohl zu verwirrt, um das zu begreifen. Jedenfalls haben ihm die falschen Leute applaudiert, wie man an der Liste der Auszeichnungen und Nominierungen sehen kann. Oder sie wähnten sich auf der anderen Seite, der Seite derer, die "die Macht besäßen, es richtig zu stellen". Aber sie wußten nicht, was und wie es richtig zu stellen sei, sie wissen es immer noch nicht. Vielleicht waren sie auch erotisiert von dieser Veranschaulichung der Oben-Unten-Schichtung, die die Mörderbande durch Auslöschung des Ortes gibt. Dieses Phänomen der Erotisierung der Massen, von denen man eigentlich den Gebrauch des Verstandes erhofft hätte, ist in der Geschichte des Faschismus häufig bezeugt. Der Provinzphilosoph Tom (Paul Bettany) repräsentiert im Film die auf diese Weise Umnachteten. Er lobt die Veranschaulichung in den höchsten Tönen, ist besinnungslos geil und würde gern mitmachen, wird aber von Grace voller melancholischem Abscheu eigenhändig erschossen, was die Veranschaulichung abrundet. Auch von dieser Art der Ablehnung williger Bewerber hat man schon mehrfach gehört.

Kein Wunder, daß Anders Breivik diesen Film mag. Und was hat er getan? Die Veranschaulichung umgekehrt und gezeigt, wie er sich faschistischen Furor des philosophischen Provinzlers (besser: Weltprovinzlers) gegen die urbane Elite vorstellt. Richard Millet hat es in seiner "Éloge litteraire" analysiert. Seit Breivik dem Film seine eigene Auslegung ("Illustration" heißt der Vorgang im Film selbst, in der deutschen Fassung viel präziser "Veranschaulichung") gegeben hat, ist es still geworden um Dogville. Gar von Trier selbst ist zurückgewichen, als ihm derart intensiv veranschaulicht wurde, wie man seinen Film weiterdenken kann, aber er ist ohnehin ein notorischer Von-sich-selbst-Distanzierer.

Die Zeiten sind andere geworden in den nur 15 Jahren seit Dogville 2003 erschien. Die Weltläufte sind ins Rutschen geraten, nicht weniger als das letzte Mal vor hundert Jahren. Die Gesellschaft der Guten und Gerechten, deren Bestes eben auch nicht gut genug ist, hat begonnen, jene ernsthaft zu fürchten, die die Konsequenz erneut veranschaulichen könnten, schwingt sich ihrerseits zu verschärfter Aggressivität auf und zettelt eine Kulturrevolution an. Faschisten aller Couleur gehen aufeinander los, so muß wohl das Fazit lauten. Da findet sich Links gegen Rechts, Rechts gegen Links, Somewheres (dumpfes Nationalkonservative aus Flyover-Country) gegen Anywheres (globalsozialistische Scheinelite) und umgekehrt. Es müssen also nicht einmal Kulturkreise sein, die aufeinanderprallen, unsere Zivilisation ist der globalisierten Welt nicht mehr gewachsen und hat sich sich selbst entfremdet. Wenn bei diesen Auseinandersetzungen überhaupt Ideologien eine Rolle spielen, dann nur als Ausdruck von Lebenswirklichkeiten, politischen und wirtschaftlichen Interessen. Das Sein bestimmt das Bewußtsein.

 

Kommentar von Thomas Bez am 18.05.2018 20:19:

Wir lesen gerade "Deutschland ab vom Wege" von Henning Sußebach, der mit 44 Jahren feststellt, daß es eine Welt außerhalb Hamburgs gibt und loszieht, sie zu erkunden. Sußebach ist ein netter Mensch, Wir sagen das ohne jegliche Ironie. Wir nehmen ihm alles ab, seine Naivität, seine Ehrlichkeit, seinen Willen zur Wahrheit und zum guten Tun. Nichts liegt ihm ferner als Faschismus, auch jegliches Verständnis dafür. Und dieses Unverständnis zu empfinden hat er reichlich Gelegenheit bei seinen Wegen über das Land. Aber wahrheitsverpflichtet, wie er ist, erkennt er, daß in den Tiefen der Provinz andere Gesetze wirken als in der Stadt. Daß das, was in der Stadt gehebelt wird, unvorhergesehene Verheerungen bei den Aliens da draußen hervorrufen kann.

 


 

 

Seite 2